China will große Raumfahrtnation werden

Der Wettlauf zum Mars hat begonnen: China hofft auf erfolgreiche Landung

 HAINAN, CHINA - JULY 23, 2020: The Chang Zheng 5 Long March 5 carrier rocket with the Tianwen-1 Mars rover is launched from the Wenchang Space Launch Center for China s first Mars mission. Roman Balandin/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS0E0EEE
Start der chinesischen Rakete zum Mars
www.imago-images.de, imago images/ITAR-TASS, Roman Balandin via www.imago-images.de

China will zur großen Raumfahrtnation werden

Nachdem „Apollo 11“ am 20. Juli 1969 auf dem Mond gelandet war, war dem Raketen-Ingenieur Wernher von Braun klar, was folgen sollte. Es konnte nur zum Mars gehen. 51 Jahre später ist das Rennen zu den Sternen und um die Vorherrschaft im All wieder voll im Gange.

China, die Vereinigten Arabischen Emirate (mit Unterstützung Japans) und die USA liefern sich einen Wettlauf zum Mars. Der Zeitpunkt ist günstig: Im Juli und August ist der Mars der Erde am nächsten - eine Konstellation, die es nur alle zwei Jahre gibt.

Drei Nationen starten zum Mars

Am Montag hatten bereits die Vereinigten Arabischen Emirate mit Hilfe einer japanischen Rakete die erste arabische Mars-Sonde ins All geschickt, die aber nicht landen soll. Am Donnerstag startete die Mission der Chinesen. In einer Woche wollen die USA den Rover „Perseverance“ (Durchhaltevermögen) auf den Mars bringen. Alle drei Raumschiffe sollen im Februar am Ziel sein.

Der schwierigste Teil ist die Landung

Wenn es so weit ist, folgt der herausforderndste Teil der Mission, die Landung. Von 18 Landeversuchen waren bisher nur zehn erfolgreich - allein neun gehen auf das Konto der USA. Der Sowjetunion gelang zwar 1971 eine Landung, aber der Kontakt brach 20 Sekunden nach dem Aufsetzen ab. Das zeigt, wie riskant das Unternehmen ist. Die Chancen für eine erfolgreiche Landung liegen Experten zufolge bei 50 Prozent. „Das ist so, als wenn man ins Kasino geht und auf Rot oder Schwarz setzt“, sagt Norbert Frischauf, Raumfahrtexperte der Beratungsfirma SpaceTec Capital Partners in München, der dpa. „Da hat bisher noch jeder Lehrgeld bezahlt.“ Schwerkraft und Atmosphäre seien verzwickt. „Es ist gerade so, dass es dich richtig für einen Absturz prädestiniert.“

In Nasa-Kreisen gilt die Landung auf dem Mars als „sieben Minuten des Terrors“. Das Landegerät muss seine Geschwindigkeit von 20.000 Kilometer pro Stunde praktisch komplett abbremsen. Da der Mars eine Atmosphäre besitzt, ist ein Hitzeschild notwendig.

„Der Flug hat gut angefangen“

Die Chinesen sehen sich bestens vorbereitet. „Keine planetarische Mission ist jemals so umgesetzt worden“, schrieben die chinesischen Planer im Magazin „Nature“ über ihr Vorhaben. „Dieser Flug hat gut angefangen», sagte Wang Jue, Chefingenieur des Raketenprogramms vor der Presse in Wenchang. Liu Tongjie, Vizedirektor im Raumfahrtprogramm, ist zuversichtlich und hofft auf einen Erfolg des Fluges, der noch viele Anstrengungen erfordere. „Es gibt viele Unwägbarkeiten und schwierige Teile.“

„Ich denke, dass China das wie jeder andere schaffen kann, aber der Mars ist schon eine Herausforderung“, sagte der australische Experte Morris Jones.

China will unter der Oberfläche des Planten nach Spuren von Wasser und Mikroorganismen suchen. Auch sollen Magnetfeld und Atmosphäre erforscht werden. Von den acht Planeten im Sonnensystem ist der Mars der Erde am ähnlichsten. „Der Mars ist der wahrscheinlichste Ort in unserem Sonnensystem, um Lebensformen außerhalb der Erde zu finden - oder den Beweis, dass sie einmal existiert haben“, sagte Jones.