Der vergessene Krieg in Syrien: 76.000 Tote in nur einem Jahr

07. Januar 2015 - 13:32 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien: Welche Rolle spielt der Westen?

Das Töten in Syrien nimmt kein Ende. 2014 war fast jeder vierte Tote in dem Konflikt ein Zivilist. Auch unter den Kämpfern des Regimes war und ist der Blutzoll hoch. Machthaber Assad macht seinen Truppen Mut - und was macht der Westen?

Syrien-Krieg: 76.000 Tote in nur einem Jahr
Solche Bilder zählen nun schon einige Zeit zum Alltag in Syrien. Über 3.500 Kinder haben bisher schon ihr Leben in dem blutigen Konflikt verloren.
© dpa, Maysun

Im syrischen Bürgerkrieg sind im vergangenen Jahr nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 76.000 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind 3.500 Kinder und fast 2.000 Frauen. Diese schrecklichen Zahlen gab die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekannt.

Zudem sind mehr als 22.600 syrische Soldaten und andere Kämpfer des Regimes getötet worden. Extremistische Gruppen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die radikal-islamische Al-Nusra-Front haben fast 17.000 Anhänger in ihren Reihen verloren. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 sind in Syrien mindestens 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sitzt in der Nähe von London. Sie stützt sich bei ihren Informationen über den Bürgerkrieg auf ein Netz von Informanten in Syrien.

Die entscheidende Figur in diesem blutigen Krieg: Machthaber Baschar al- Assad: Gerade erst besuchte er demonstrativ seine Truppen im Kampfgebiet. "Im Grunde genommen sitzt das Assad-Regime fest im Sattel. Auch deshalb, weil die westlichen Staaten jetzt herangehen und den Islamischen Staat bekämpfen. Das Regime von Assad steht nicht länger im Fokus", sagt Nahost-Experte Michael Lüders.

Assad besucht seine Truppen

Die größte Hoffnung des syrischen Volkes für das Jahr 2015 ist ein Sieg der Regierungstruppen, sagte Assad in dem Ort Dschobar vor Offizieren. Anschließend inspizierte er Stellungen der Soldaten, umarmte sie und aß mit ihnen. Bei dem Besuch im Schutz der Dunkelheit war Assad ganz in Schwarz gekleidet, wohl aus Angst vor Angriffen von Regimegegnern. Die TV-Bilder von dem Auftritt waren mit patriotischen Liedern unterlegt.

Dschobar ist seit Monaten hart umkämpft. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter flog die syrische Luftwaffe am Morgen nach dem Assad-Besuch acht Angriffe auf den Ort. Zwischen Armee und Regimegegner habe es heftige Kämpfe gegeben.

Hoffnung, der Krieg könne bald beendet sein, gibt es kaum. Und so werden die Schreckensnachrichten aus Syrien auch in den kommenden Monaten nicht abreißen.