Der Radboom verändert das Stadtbild

Radfahrer sind in der Innenstadt auf einem Fahrradstreifen unterwegs. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
Radfahrer sind in der Innenstadt auf einem Fahrradstreifen unterwegs. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
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21. April 2021 - 12:00 Uhr

Mainz (dpa/lrs) - Überholverbot von Radfahrern, Fahrradstationen an Bahnhöfen und digitale Angebote: Der in der Corona-Pandemie noch deutlich gewachsene Trend zum Rad und E-Bike macht sich nach und nach auch im Bild der fünf größten Städte in Rheinland-Pfalz bemerkbar. Der Anteil des Fahrrads am Verkehr soll überall gesteigert werden, wie eine dpa-Umfrage ergab. Dabei gehen zumindest Mainz, Ludwigshafen und Trier über das im Radverkehrsentwicklungsplan der Landesregierung vorgegebene landesweite Ziel von 15 Prozent bis 2030 hinaus. Den Grünen war dieses vom FDP-geführten Verkehrsministerium vorgelegte Ziel ohnehin zu wenig.

Beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schneiden die fünf Städte nicht gut ab. Mainz bekommt von den fünf mit 4,0 noch die beste Note, Koblenz mit 4,6 die schlechteste. Die Stadt liegt auf dem vorvorletzten Platz der 41 Kommunen zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern in Deutschland.

Die Probleme beschriebt der ADFC so: Radfahren fühlt sich nicht sicher an, da die Wege zu schmal, in schlechtem Zustand oder nicht durchgängig seien. Falschparker blockierten Radwege und sorgten zusätzlich für Stress, weil sie Radfahrer in den Autoverkehr zwängen. "Generell fühlen sich viele der Radlerinnen und Radler als Verkehrsteilnehmer nicht wirklich akzeptiert", stellt der Landesvorsitzende Andreas Geers fest. Leihräder seien überall beliebt und ebenfalls eine Möglichkeit für die Städte, mehr Radverkehr zu unterstützen.

In MAINZ gibt es auch 50 Elektroroller zum Leihen - vom Energiedienstleister Süwag. Das Sicherheitsgefühl will die Landeshauptstadt unter anderem mit den Überholverbotsschildern auf engen Wegen wie am Gautor verbessern. "Der Überholabstand wird oft nicht eingehalten", sagt Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). Anfang Mai werde am Bahnhof nach 25 Jahren Diskussion ein Rad-Parkhaus mit rund 900 Plätzen eröffnet. Radwege würden ausgebaut, für zwei Verbindungen hätten rund 130 Parkplätze weichen müssen.

Ebenfalls im Mai soll es eine neue Radfahr-App geben. Geplant seien auch neue Radampeln. Erprobt werde etwa eine Ampel, die Radfahrer über Wärme erfasse und den Verkehr frei schalte. Der Anteil des Radverkehrs zwischen Mainz-Mombach und Mainz-Ebersheim liege bereits bei einem Viertel, darunter seien in der hügeligen Stadt besonders viele E-Bikes. Die Erschließung der Kaiserbrücke über den Rhein und die Pendlerradroute Bingen-Ingelheim-Mainz sind andere Projekte.

LUDWIGSHAFEN will den Anteil des Radverkehrs von derzeit 18 Prozent auf 25 Prozent steigern. Bis wann ist allerdings nicht festgelegt, wie die Sprecherin der zweitgrößten Stadt, Ulrike Heinrich, mitteilt. Um das Ziel zu erreichen, seien mehrere Pendlerradrouten aus Mannheim und dem Umland geplant sowie die Sanierung des bestehenden Radwegenetzes und die Schließung von Lücken in dem Netz. "Die Anzahl der Fahrradständer wird ständig ausgebaut", beschreibt Heinrich ein weiteres Projekt. Am Hauptbahnhof und an der Haltestelle Ludwigshafen-Mitte sollten in diesem Jahr 36 digitale Fahrradboxen entstehen, um an den Knotenpunkten des ÖPNV Bike+Ride zu fördern. Fast 60 weitere Einbahnstraßen würden für den Radverkehr in die Gegenrichtung freigegeben - damit wären es insgesamt rund 100.

KOBLENZ, drittgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz, strebt einen Anteil des Radverkehrs von mindestens 15 bis 16 Prozent im Jahr 2030 an. "Das entspricht einer Verdoppelung", sagt Stadtsprecher Thomas Knaak. Mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens Radentscheid sei ein abgestimmtes Vorgehen verabredet. Dazu gehört die Umwandlung der wichtigen Nord-Süd-Verbindung Casinostraße in eine Fahrradstraße. Ein wichtiger innerstädtischer Radweg auf der West-Ost-Verbindung werde in diesem Jahr instand gesetzt. Koblenz nehme zudem an dem Versuch des Bundesverkehrsministeriums teil, mit Piktogramm-Ketten - Radfahrerzeichen auf der Straße - auf die Radler hinzuweisen.

Die Stadt TRIER will den Anteil des Radverkehrs von 14 Prozent (2018) auf 15 Prozent (2025) steigern, wie Stadtsprecher Ralph Kießling aus dem Mobilitätskonzept der viertgrößten Stadt berichtet. "Der coronabedingte Fahrradboom des Jahres 2020 ist dabei noch gar nicht einberechnet", sagt er. "Setzt sich er bisherige Trend fort, wird somit die Zielvorgabe des Mobilitätskonzepts bis 2025 deutlich übertroffen." Um Radfahren attraktiver zu machen, gebe es seit 2018 eine Fahrradstation am Hauptbahnhof mit 160 sicheren Abstellplätzen, Verleih und Werkstatt. 2020 seien zudem mehr als 4,5 Kilometer Radinfrastruktur neu geschaffen worden. Der Grundsatzbeschluss für eine 25 Kilometer lange Pendlerradroute entlang der Mosel zwischen den Städten Konz, Trier und Schweich solle nächste Woche fallen und der Bau noch in diesem Jahr beginnen.

"KAISERSLAUTERN hat es sich zum Ziel gesetzt, trotz schwieriger städtebaulicher und topographischer Voraussetzungen fahrradfreundlicher zu werden", heißt es in der Pressestelle der fünfgrößten Stadt. 2020 wurde deshalb auch eine hauptamtliche Radverkehrsbeauftragte ernannt. Auf insgesamt fünf Routen in der Stadt wird geprüft, ob sie Fahrradstraßen werden können - also Radfahrer Vorrang vor dem Autoverkehr haben. "Bei der Straßenplanung wird der Radverkehr inzwischen von Anfang an mit einbezogen." Um mehrere Stadtteile besser anzubinden würden gerade verschiedene Ideen geprüft.

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Quelle: DPA

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