Greenpeace auch im Rhein fündig

Der Plastikplanet - Mikroplastik selbst im Marianengraben

19. März 2021 - 18:09 Uhr

Keine Gegend mehr frei von Mikroplastik

Plastik hat einen unfassbaren Siegeszug angetreten: Es ist billig, sauber und hält nahezu ewig. Das ist nur leider für Mutter Erde ein Problem. Denn das Plastik macht vor nichts und niemandem Halt. Wir nehmen es über die Nahrung auf, wir haben es im Blut und es gibt keine Gegend mehr auf der Welt, die frei von Plastik ist.

Mikro- und Makroplastik am tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben

Magenanalyse bei Eissturmvögeln. Die gefundenen Plastikpartikel sind Indikator der Plastikmüllbelastung
So viel Plastik fand sich im Magen dieses toten Eissturmvogels an der Nordsee.
© picture alliance / JOKER, Alexander Stein

Auch wenn Plastik geschreddert ist oder sich langsam in immer kleinere Teile auflöst, so verschwindet es nie ganz. Es wird zu Mikroplastik. Und das ist dann schlichtweg überall. In Menschen, Tieren und in allen Gegenden der Erde.

Der tiefste Punkt der Erde ist der Marianengraben mit 10.989 Metern unter Normalnull. Forscher fanden dort sogar eine Plastiktüte. Noch sichtbares Plastik wird Makroplastik genannt, das kleinere unter 5 Millimetern ist dann das Mikroplastik. Beides fanden Forscher am tiefsten Punkt der Erde.

Flohkrebs heißt jetzt "Eurythenes plasticus" - sozusagen der Plastik-Flohkrebs

Um auf den krassen Plastikeintrag der Menschen in unsere Gewässer aufmerksam zu machen, wurde Anfang März eine bisher unbekannte Flohkrebs-Art in der Tiefsee "Eurythenes plasticus" genannt. Sie fanden das Tierchen etwa 6.500 Meter unterhalb des Meeresspiegels im Marianengraben im westlichen Pazifik.

"Mit dem Namen wollen wir ein starkes Zeichen gegen die Meeresverschmutzung setzen und deutlich machen, dass wir dringend etwas gegen die Plastikflut tun müssen", betonte der Leiter des Forschungsteams, Alan Jamieson. Der im Flohkrebs gefundene Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) stammt aus der Herstellung von Einwegtrinkflaschen, Folien und Textilfasern verwendet.

Welche Rolle spielen wir? Deutschland ist laut WWF – nach den USA und Japan – weltweit der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll. Er ende oft in südostasiatischen Ländern. "Dort kann er häufig nicht recycelt werden, sondern wird verbrannt oder landet auf Deponien – und gelangt auch von dort ins Meer", so die Umweltorganisation. Der Müll werde im Wasser zu Mikroplastik zerkleinert und dann von Tieren aufgenommen.

Mehr Mikroplastik im Ozean als Plankton

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Mikroplastik auch in der Todeszone am Mount Everest

Mikroplastik am Mount Everest
Selbst unterhalb des Mount Everest fanden Wissenschaftler Mikrofasern.
© dpa, Sun Fei, fgj vco

Plastik ist härter als der Mensch. In der Todeszone rund um die 8.000er dieses Planeten hält es kein Mensch lange aus. Ganz anders das Plastik – es scheint sich überall wohl zu fühlen. Forscher fanden in Schneeproben unterhalb des Gipfels vom Mount Everest Mikroplastik-Fasern. Die stammen wahrscheinlich von Kleidungsstücken oder Ausrüstung der Bergsteiger.

Auch in der Antarktis wurde das Mikroplastik schon gefunden. Das ist auch kein Wunder, da die Menschheit schätzungsweise acht Millionen Tonnen Plastikmüll jedes Jahr in die Ozeane leitet. Das Plastik landet im Kreislauf vieler Tiere und Menschen, die Folgen sind noch unklar. Es gilt aber als schädlich. Bei größeren Plastikteilen sind die Folgen eindeutig sichtbar. Unzählige Meereslebewesen und Seevögel sind schon verendet, weil ihre Mägen voller Plastik waren, weil ihre Flügel zwischen Nylonseilen verheddert waren oder das Plastik die Flossen abschnürte.

Wir essen jede Woche eine Kreditkarte Plastik

Greenpeace findet besonders viel Mikroplastik rund um die deutschen Chemiestandorte am Rhein

Vor wenigen Tagen untersuchte die Umweltschutzorganisation Greenpeace den Rhein auf Mikroplastik und fand an den Chemie-Standorten in Krefeld und Dormagen erhöhte Konzentrationen. Die höchste Konzentration sei aber nach einem Starkregen bei Köln gemessen worden, teilte Greenpeace mit. Im dortigen Hafen werde Kunststoff-Granulat verladen, die Messung sei aber etwas stromaufwärts erfolgt.

"Die Behörden müssen nun ermitteln, wer genau den Fluss verschmutzt", forderte Greenpeace-Experte Manfred Santen. Die Verschmutzung müsse gestoppt werden, auch wenn es dazu noch keine gesetzlichen Regelungen gebe. Der Verdacht liege nahe, dass ein Zusammenhang zur Kunststoffproduktion an den Standorten bestehe.

Mikroplastik auch im Schnee

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