Wer ist dieser Kerl?

Der Nowitzki-Erbe: Luka Doncic macht die ganze NBA verrückt

© USA TODAY Sports, Jerome Miron, an4

22. November 2019 - 16:23 Uhr

Von Sebastian Fuhrmann

Zugegeben, es ist vulgär und für manche Menschen sicher eine befremdliche Art des Lobes. Aber mehr Ritterschlag geht im Basketball einfach nicht. "Du bist ein böser Motherfucker." Das sagt LeBron James über Luka Doncic. LeBron ist der Typ, der die NBA seit mehr als 15 Jahren mit unglaublichen Statistiken dominiert. Luka, das ist ein 20-jähriger Bursche aus Ljubljana, Slowenien, der Stars wie James allmählich das Zepter aus der Hand reißt - und bei den Dallas Mavericks dabei ist, die riesigen Fußstapfen von Dirk Nowitzki auszufüllen. Schneller, als das irgendwer erwartet hätte.

Dirk Nowitzki: Erwartungen übertroffen

Die Basketball-Welt weiß spätestens seit seiner Premieren-Saison, dass dieser Luka Doncic mit dem orangenen Leder umgehen kann. Mit den Zahlen, die er aktuell auflegt, überrascht er aber die Fachwelt. 29,9 Punkte, 10,6 Rebounds und 9,4 Assists pro Spiel liefert er bislang in dieser Saison ab. 

Er ist der zweitjüngste Spieler in der kompletten NBA-Geschichte, der ein Triple-Double (zweistellige Ausbeute in drei Kategorien) mit mindestens 40 Punkten auflegte. Das sind die Werte eines absoluten Spitzenspielers. Und der 20-jährige Bengel ist erst in seinem zweiten NBA-Jahr.

2018 wurde er an dritter Stelle der Talente-Auswahl von den Atlanta Hawks in die Liga geholt und später im Tausch für Trae Young nach Dallas gegeben. "Er hat unsere Erwartungen total übertroffen. Der ist schon so abgezockt, hat kein Loch in seinem Spiel. So was habe ich bei einem 19-Jährigen noch nicht gesehen", sagte Nowitzki schon im vergangenen Jahr, als er noch mit der Teenager-Sensation zusammen auflief.

Ausgebildet bei Real Madrid

Doncic ist kein normaler NBA-Neuling. Zwischen 2012 und 2018 lernte er sein Handwerk bei Real Madrid, einem der besten europäischen Basketball-Clubs. Unter Männern konnte sich der Zögling alle Facetten des Spiels aneignen: Werfen, Dribbeln, Passen. Als Doncic also mit gestandenen Profis spielte, zockten Talente in Übersee gegen andere Teenager, so will es das US-System.

Die gute Ausbildung und harte Arbeit trugen bald Früchte. In der Saison 2017/2018 wurde Doncic zum besten Spieler der Euroleague, das Pendant zur Champions League im Fußball, gekürt. Das Talent wurde dem Jungen, wie man so gerne sagt, in die Wiege gelegt. Papa Sasa war ebenfalls Basketballer und slowenischer Nationalspieler.

Dirks Erbe, aber kein neuer Dirk

Längst wird der Slowene mit der deutschen Legende Nowitzki verglichen. Wie der 'Dunking Deutschman' ist er Europäer und kommt aus einer Stadt, deren Name, wie der von Nowitzkis Heimatort Würzburg, für Amerikaner sicher lustig bis geheimnisvoll klingt - und wie Dirk nennen ihn längst alle beim Vornamen. Doncic ist der neue Star in der Nowitzki-Pilgerstätte, der American-Airlines-Arena. Ein neuer Nowitzki ist er aber nicht.

Doncic ist mit seinen 2,01 Metern eine ganze Ecke kleiner als der Deutsche (2,13 Meter), spielt eine andere Position. Luka ist ein trickreicher Spieler, der seine Gegner mit seinen Finten gerne oberdämlich aussehen lässt. Dirk war ein Riese, der werfen konnte, was andere Riesen einfach nicht konnten. Und als Dirk so alt war wie Luka, konnte er von Statistiken wie denen des Slowenen nur träumen. Auch der eingangs erwähnte LeBron James legte mit 20 Lenzen schlechtere Zahlen auf als Doncic: 27,2 Punkte, 7,4 Rebounds und 7,2 Assists. All das hört sich fabelhaft an. Zu fabelhaft? Sind die Statistiken vielleicht nur ein Zwischenhoch?

Eintagsfliege? Sicher nicht.

Einer, der es wissen muss, ist Mavs-Guard JJ Barrea, der zusammen mit Nowitzki 2011 die einzige Meisterschaft für Dallas holte. "Alles kommt zu ihm", sagt der Mann aus Puerto Rico. "Wir reden darüber, ob er das halten kann und ich sage: 'Wenn jemand diesen Lauf fortsetzen kann, dann er.' Er ist schlau, trifft ziemlich gut, schließt gut ab. Es ist aktuell nicht hart für ihn, das zu tun. Er erzwingt nichts."

Es deutet nicht viel darauf hin, dass die Zahlen einbrechen. Schon in der vergangenen Saison produzierte Luka in 72 Spielen 21,2 Punkte, 7,8 Rebounds und 6,0 Assists pro Spiel.