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"Der normale Alltag war erst einmal weg": Opfer des Berliner U-Bahn-Treters sagt aus

ARCHIV - «Hermannstraße» steht am 15.12.2016 in Berlin auf dem Schild über dem Eingang zur U-Bahnstation. Dort hatte Ende November ein Mann eine Passantin mit einem Tritt die Treppe runtergeschubst. Am 29. Juni soll der Prozess gegen 28-Jährigen, der
In dieser U-Bahn-Haltestelle kam es zu dem brutalen Übergriff gegen die arglose Frau. © dpa, Paul Zinken, pdz fux

Bundesweites Entsetzen über gemeine Tat

Der Fall hatte bundesweit Empörung ausgelöst, nun wird er vor Gericht verhandelt: Ein 28-Jähriger hatte im Oktober 2016 aus dem Nichts einer arg- und wehrlose Frau in der Berliner U-Bahnhaltestelle brutal in den Rücken getreten, so dass sie eine Treppe hinunterstürzte und sich schwer verletzte. 

Mit voller Wucht gestürzt

Acht Monate nach einem brutalen Tritt auf einer Berliner U-Bahn-Treppe sitzt das Opfer am Donnerstag dem Mann erstmals gegenüber, der ihr das angetan haben soll. "Ich bin mit voller Wucht gestürzt", sagt die 26-Jährige als Zeugin beim Landgericht der Hauptstadt aus. Es geschah völlig unvermittelt. "Ich konnte es mir zuerst nicht erklären, ich hatte vorher keine Personen gesehen."

Der 28-jährige Mann hatte - so belegen es die veröffentlichten Aufnahmen von Überwachungskameras - in der Nacht zum 27. Oktober 2016 die Frau von hinten angegriffen. Die ahnungslose Passantin befand sich gerade auf einer Treppe im Bahnhof Hermannstraße im Stadtteil Neukölln, als er zutrat. Die junge Frau stürzte die Betontreppe hinab - mit dem Gesicht voran und ausgestreckten Armen. 

Armbruch, Platzwunde am Kopf und Hämatome

Die Zeugin wirkt zurückhaltend. "Ich war auf dem Weg nach Hause», beginnt sie leise. Sie habe die Kapuze aufgesetzt und über Kopfhörer Musik gehört. "Meine Umwelt habe ich nicht richtig wahrgenommen." Dann der Sturz, als sie mitten auf der Treppe war. "Es ging so schnell." Sie habe nach dem Aufprall Blut am Kopf bemerkt, sei völlig geschockt gewesen. "Jemand kam und sagte, man hätte mich geschubst." Ein Arm gebrochen, am Kopf eine Platzwunde, außerdem Hämatome. Andere Fahrgäste kümmerten sich um die junge Frau. Ihre körperlichen Wunden wurden ambulant in einem Krankenhaus behandelt.

Die seelischen Folgen führten dazu, dass sich die Studentin in der ersten Zeit zurückzog. "Der normale Alltag war erst einmal weg, ich konnte auch nicht studieren." Etwa vier Monate sei sie "neben der Spur" gewesen. Und bis heute wirkt es nach: "Es ist nicht mehr die Unbefangenheit." 

Angeklagter kann sich angeblich an nichts erinnern

ARCHIV - Der Angeklagte Swetoslaw S. steht am 26.06.2017 in Berlin mit einer Mappe vor dem Gesicht hinter einer Glasscheibe in einem Gerichtssaal und muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Am 29. Juni soll der Prozess gegen 28-Jä
Der Angeklagte Swetoslaw S. steht am in Berlin mit einer Mappe vor dem Gesicht hinter einer Glasscheibe in einem Gerichtssaal. © dpa, Paul Zinken, pdz vge fux

Der Angeklagte, ein dreifacher Familienvater aus Bulgarien, hatte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Er sei der Mann auf den Bildern, mit denen die Polizei nach dem Täter gefahndet hatte. Doch er könne sich nicht an die Tat erinnern. Er sei berauscht gewesen. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung - bis zu zehn Jahre Haft drohen ihm. Außerdem muss sich der Mann wegen exhibitionistischer Handlungen in zwei Fällen verantworten. Er soll sich zwei Wochen vor der Fußtritt-Attacke vor Frauen entblößt haben.

Als die Polizei einige Wochen nach dem brutalen Angriff Aufnahmen der Überwachungskameras veröffentlichte, kam Bewegung in die Ermittlungen. Der 28-Jährige wurde im Dezember in Berlin festgenommen, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof mit einem Bus aus Frankreich ankam. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Kaum ist die Aussage der Geschädigten beendet, steht der Angeklagte mit deutlichen Narben auf dem Kopf auf. Er kreuzt die Hände vor der Brust und sieht in Richtung der Studentin. "Es tut mir sehr leid, dass ich dir die Schmerzen zugefügt habe, ich entschuldige mich", sagt er mit weinerlicher Stimme.

Die Anwältin der Geschädigten und Nebenklägerin sagt, ihre Mandantin könne die Entschuldigung derzeit nicht annehmen – "solange er nicht bereit ist, selbst Verantwortung zu übernehmen". Am kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt. Nicht ausgeschlossen sei, dass es bereits zu den Plädoyers kommt, so das Gericht.

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