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Der Nächste, bitte! Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm fordert neue Jogi-Kultur vom Bundestrainer

Bundestrainer Joachim Löw (l) und der frühere Nationalspieler Philipp Lahm stehen am 08.12.2017 beim außerordentlicher Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main (Hessen) zusammen. Die Delegierten wollen die Weichen für einschn
Verstanden sich immer blendend: Bundestrainer Joachim Löw und sein einstiger Kapitän Philipp Lahm. © dpa, Arne Dedert, ade sab

Löw-Kritik und "Erdo-Gate" - Ganz ehrlich Leute: Es nervt nur noch

Ein Kommentar von Martin Armbruster

Jahrelang huldigten (Ex-)Spieler / Trainer, Journalisten, Experten, Funktionäre und sonstige Krawatten-Träger Weltmeister-Coach Joachim Löw als fast schon unfehlbaren Trainer-Guru. Nach dem WM-GAU in Russland ist es jetzt plötzlich en vogue, dem 58-Jährigen Fehler über Fehler unter die Nase zu reiben und die vermeintlich besten Ratschläge zu erteilen, wie der deutsche Fußball zu retten sei. Tegernsee-Rentner Philipp Lahm etwa findet auf einmal, dass Löw seinen Führungsstil ändern und künftig verstärkt auf den Tisch hauen sollte: Autoritärer Erziehungsstil statt Laissez-faire. Dass das Ganze natürlich was mit der Erdogan-Affäre – herrje, früher war der Begriff "Affäre" sexuellen Fehltritten von US-Präsidenten oder Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein vorbehalten – zu tun hat, versteht sich (leider).

Philipp Lahm: Junge Spieler "fast zwangsläufig Egoisten"

"Ich bin überzeugt davon, dass Jogi Löw seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern muss, wenn er mit der neuen Generation von Nationalspielern wieder Erfolg haben möchte", schreibt Lahm in einem "offenen Brief" für das Karriere-Portal "LinkedIn". Der Bundestrainer müsse eine "Kultur strafferer, klarerer Entscheidungen etablieren, als er das selbst gewohnt war", schwurbelt der 34-Jährige. Hat Löw früher keine klaren Entscheidungen getroffen? Und wie konnte Deutschland jahrelang so erfolgreich sein? Offenbar ein Rätsel.

Die neue Spieler-Generation sei größtenteils in Nachwuchsleistungs-Zentren ausgebildet worden, wo der Jungprofi "fast zwangsläufig zum Egoisten" gemacht werde, erklärt uns Lahm. Löw müsse diesen Ich-bezogenen Kickern klarmachen, dass sie "Verantwortung für die gesamte Mannschaft tragen", fordert der Weltmeister-Kapitän von 2014.

DFB-Elf braucht "straffere Führung"

ARCHIV - Philipp Lahm (M) aus Germany hält am 13.07.2014 den WM-Pokal zwischen seinen Teamkollegen Torwart Manuel Neuer (vorne L-R), Miroslav Klose, Kevin Großkreutz, Lukas Podolski und Thomas Mueller; Bundestrainer Joachim Loew  (zweite Reihe R-L),
Philipp Lahm und Joaichim Löw feierten 2014 in Brasilien den WM-Titel. © dpa, Andreas Gebert, nic hpl nic lof nic hak

"Die beschriebenen Spieler brauchen eine deutlich straffere Führung als die Generation vor ihnen", glaubt der zurückgetretene Lahm zu wissen und nennt ein Beispiel, das dummerweise gar nicht auf seine "beschriebenen Spieler" zutrifft, sondern auf gestandene DFB-Akteure, die seit Jahren dabei sind. Ach ja, das Beispiel: "Erdo-Gate" natürlich, was sonst?!

"Erdo-Gate" das 180. Glas Senf

Erdogan, Gündogan, Özil, Tosun
Ein Bild, das uns womöglich noch Monate verolgt: Mesut Özil, Ilkay Gündogan und Recep Tayyip Erdogan. © deutsche presse agentur

"Diese klare Ansprache hätte es zum Beispiel gebraucht, als die Affäre um Mesut Özil und Ilkay Gündogan um das gemeinsame Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hochgekocht ist", so Lahm, der frei nach dem Motto "Es ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem" das x-te Glas Senf zu der ausgelutschten Nummer dazu gibt.

Ehrlich Leute, egal wie man zu der ganzen Trikot-Bildchen-Nummer mit dem Sultan vom Bosporus steht – das alt- und neukluge Gesabbel sämtlicher Alt- und Jungvorderer nervt nur noch. Lasst den guten Jogi jetzt doch mal seine WM-Analyse machen, und wenn er dann die UEFA Nations League (geilster Wettbewerb aller Zeiten) gewinnt, dürft ihr ihn wieder alle abfeiern. 

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