Der 'Maskenmann' bricht sein Schweigen

Der geständige dreifache Kindsmörder Martin N. sitzt mit einem Ordner verdeckt im Verhandlungsaal des Landgerichts Stade.
Der geständige dreifache Kindsmörder Martin N. sitzt mit einem Ordner verdeckt im Verhandlungsaal des Landgerichts Stade.
© dpa, Carmen Jaspersen

27. Februar 2012 - 19:39 Uhr

"Lange die Schuld verdrängt"

Er hat gestanden, drei kleine Jungen missbraucht und getötet zu haben. Bislang hatte Martin N., besser bekannt als der 'Maskenmann', den Prozess regungslos verfolgt. Nun brach der 41-Jährige sein Schweigen.

"Ich glaube, dass meine Taten kaum entschuldbar sind." Von den Eltern der getöteten Kinder und seinen Opfern erwarte er deshalb keine Vergebung.

Am 27. Februar werden die Richter ein Urteil in dem aufsehenerregenden Prozess verkünden. Es gilt als wahrscheinlich, dass Martin N. mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen muss. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft liegt eine besondere Schwere der Schuld vor. In diesem Fall besteht nicht die Möglichkeit, dass ein Verurteilter nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen wird. Weil der aus Bremen stammende Pädagoge einem Gutachten zufolge rückfallgefährdet ist, forderte die Anklage außerdem Sicherungsverwahrung für ihn.

"Erst wollte ich mir das Leben nehmen."

Bei Mord komme nur eine lebenslange Haftstrafe in Betracht, betonten auch die Verteidiger. Eine Sicherungsverwahrung halten sie jedoch nicht für nötig. Die Aussage von Martin N. bei der Polizei habe erheblich zur Aufklärung der Verbrechen beigetragen, sagte sein Anwalt Ralph Wichmann. "Er hat sich als der 'schwarze Mann' zu erkennen gegeben." Ohne das Geständnis hätte ihm die Polizei die Morde und ein Großteil der Missbrauchstaten nicht nachweisen können.

Jahrelang hatten die Fahnder vergeblich nach einem Serientäter gesucht, der nachts in Häuser, Ferienheime und Zeltlager einstieg, um kleine Jungen zu missbrauchen. In drei Fällen - 1992, 1995 und 2001 - entführte und tötete er seine Opfer. Damit er nicht erkannt wurde, trug er dunkle Kleidung und eine schwarze Sturmhaube. Deswegen wurde er als 'Maskenmann' und 'schwarzer Mann' bekannt. Im vergangenen Jahr brachte schließlich ein früheres Missbrauchsopfer die Ermittler auf die Spur von Martin N., der inzwischen in Hamburg lebte.

"Lange habe ich die Schuld verdrängt", erläuterte der Angeklagte in seinen letzten Worten vor Gericht. Doch im Verhör bei der Polizei hätten ihn die Erinnerungen und die Schuldgefühle überrollt. Er habe einen Schlussstrich ziehen wollen. "Erst wollte ich mir das Leben nehmen. Später habe ich mit einem Geständnis reinen Tisch gemacht." Immer wieder bricht die Stimme des Angeklagten, unter Tränen presst er die Wörter hervor. Zum ersten Mal im Prozess scheint er seine Umgebung wahrzunehmen. Bisher hatte er die meiste Zeit unbeteiligt auf die Tischplatte gestarrt.

Martin N. ist klar, dass er für viele Jahre ins Gefängnis gehen muss. Er hoffe, dass er durch Therapien lerne, mit seinen Taten und seinem Leben umzugehen. "Damit ich eines Tages die Chance erhalte, als ein neuer Mensch ein Leben in Freiheit zu beginnen." Martin N. bestritt erneut, für zwei weitere Morde verantwortlich zu sein. Die Ermittler verdächtigen ihn jedoch nach wie vor, 1998 den elfjährigen Nicky in den Niederlanden und 2004 den zehnjährigen Jonathan in Frankreich entführt und getötet zu haben. Doch beweisen können sie es nicht.