Der lange und schwere Weg mit Locked-in-Syndrom ist für Tony Nicklinson endlich vorbei

23. August 2012 - 7:19 Uhr

"I had some fun"

"Lebendig in einem Alptraum gefangen", so beschrieb der Brite Tony Nicklinson die letzten sieben Jahre seines Lebens. Nach einem Schlaganfall 2005 litt er am Locked-in-Syndrom, er war vom Hals abwärts gelähmt und konnte nur noch durch Blinzeln kommunizieren. Sein Verstand war dabei hellwach. Jetzt ist er an einer Lungenentzündung und Nahrungsmangel gestorben.

Tony Nick Nicklinson, Locked-in-Syndrom,
Nachdem er jahrelang in seinem eigenen Körper gefangen war, konnte Tony Nicklinson jetzt sterben.
© dpa, Emma Hallett

Letzte Woche noch hatte ein englisches Gericht seinen Antrag auf Sterbehilfe abgelehnt. Um Sterbehilfe zu erlauben, müsste es eine Gesetzesänderung geben, für die das Gericht nicht zuständig sei. Nicklinson reagierte bestürzt auf das Urteil: "Ich bin traurig, dass das Gesetz mich zu einem Leben in wachsender Unwürde und in Leiden verurteilen will". Da Nicklinson vollständig gelähmt war, wäre er nicht in der Lage gewesen, selber ein tödliches Mittel zu nehmen. Jemand hätte es ihm einflößen müssen und sich damit des Mordes strafbar gemacht.

Dass er so kurz nach dem Prozess verstarb, wird nicht von der Polizei untersucht. "Seine Todesurkunde wurde von einem Arzt unterschrieben, deshalb ist dies kein Fall für die Polizei oder einen Gerichtsmediziner", sagte ein Sprecher.

Die Alternative, die Nahrungsaufnahme zu verweigern hatte es bereits vor dem langwierigen Prozess gegeben. "Aber warum muss er sich verhungern lassen, wenn er doch in einem sicheren Zuhause sterben könnte, umgeben von Menschen, die ihn lieben?", fragte seine Tochter damals.

Aus Verzweiflung wählte Nicklinson jetzt den einzigen Ausweg der ihm noch blieb. Kurz vor seinem Tod bat er seine Familie für ihn zu twittern: "Goodbye world the time has come, i had some fun".