70.000 tote Vögel in 40 Jahren vermessen

Der Klimawandel lässt Vögel schrumpfen

Vögel passen sich schon dem Klimawandel an und werden nicht mehr so groß.
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12. März 2020 - 18:37 Uhr

Folge der globalen Erwärmung: kleinere Vögel

Ein US-amerikanischer Vogelkundler hat 40 Jahre lang tote Vögel gesammelt, ihre Körper vermessen und die Daten gespeichert. Deren Auswertung zeigt: Die Vögel sind im Laufe der Zeit kleiner geworden. Eine Folge des Klimawandels, schließt der Wissenschaftler und seine Kollegen der Universität Michigan.

Tote Vögel im Naturkundemuseum gesammelt

Jeden Tag um 3:30 aufstehen, um tote Vögel einzusammeln. 40 Jahre lang. Es gibt sicher schönere Beschäftigungen. Der US-amerikanische Vogelkundler David E. Willard hat's getan – im Dienste der Wissenschaft. Die Zugvögel, die bei Nachtflügen von den hell beleuchteten Hochhäusern Chicagos angezogen und gegen die Fassaden geflogen waren, brachte er ins berühmte Naturkundemuseum Field Museum of Natural History und dokumentierte ihre Maße. Exakt 70.716 Vögel kamen in all den Jahren zusammen.

Kleinere Körper, längere Flügel

Die Auswertung der Daten, die im Fachblatt "Ecology Letters", veröffentlicht wurde, zeigt: Die Vögel über alle Arten hinweg sind im Laufe der Zeit um durchschnittlich 2,4 % geschrumpft, die Spannweite der Flügel ist um 1,3 % angewachsen.

Die Entwicklung ist Folge der Erderwärmung

Feldsperling, Feld-Sperling, Feldspatz, Feld-Spatz (Passer montanus), zwei Feldsperlinge im Schnee, Deutschland | Eurasian tree sparrow (Passer montanus), two tree sparrows in the snow, Germany | Verwendung weltweit
Klein und kleiner - der Klimawandel ist die Ursache
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Für die Forscher ist klar: Die Entwicklung hin zu einer geringeren Körpergröße hängt mit dem Klimawandel zusammen. Die Erwärmung des Brutgebietes nördlich von Chicago (+ 1 Grad in 40 Jahren) zusammen mit der Bergmannschen Regel lassen keinen anderen Schluss zu.  

Die Bergmannsche Regel - eine Klimaregel

Was ist die Bergmannsche Regel? Der Tierforscher Carl Bergmann (1814-1856) hatte festgestellt, dass Säugetiere und Vögel der gleichen Art in wärmeren Regionen kleiner sind als in kälteren. Bespiele:

  • Ein Wüstenfuchs in den Sandwüsten Nordafrikas ist kleiner als der in Mitteleuropa ansässige Rotfuchs
  • Der Galapagos-Pinguin, der auf den gleichnamigen Inseln am Äquator lebt, ist kleiner als der Kaiserpinguin in der Antarktis.

Relativ geringere Oberfläche - geringerer Wärmeverlust

Arctic tern (Sterna paradisea). Foto:  MAURI RAUTKARI +++(c) dpa - Report+++, Arctic tern (Sterna paradisea). Foto:  MAURI RAUTKARI +++(c) dpa - Report+++
Kleiner Körper, längere Flügel - der Flugbetrieb muss aufrecht erhalten werden.
© picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Mauri Rautkari

Dahinter steckt die Gesetzmäßigkeit, dass die größeren Tiere im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen eine geringere Oberfläche als die kleineren Tiere haben. Dadurch ist ihr Wärmeverlust in kalten Regionen geringer als der von kleineren Tieren. Da die Erde wärmer wird, passen sich die Vögel - und vermutlich auch andere Tiere) an und bleiben kleiner.

​Die Biologen nehmen an, dass die größeren Flügellängen eine kompensatorische Entwicklung sind, um die Fähigkeit zum saisonalen Vogelzug nicht zu verlieren.

Die Vögel, die ihr Leben durch die Kollision mit den Fensterscheiben gelassen haben, sind wenigstens nicht umsonst gestorben. Ihre Daten bieten der Wissenschaft einen riesigen Schatz für weitere langfristige Studien.