Der Kaiser rechnet gnadenlos mit DFB-Spielern ab und empfiehlt Joachim Löw eine harte Hand

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19. Juli 2018 - 9:56 Uhr

Franz Beckenbauer gibt Spielern die Schuld für das WM-Aus

Franz Beckenbauer hat sich in der Vergangenheit mit Äußerungen eher zurückgehalten, doch das Aus Deutschlands in der WM-Vorrunde in Russland hat den Kaiser richtig auf die Palme gebracht. Der 72-Jährige geht mit den Nationalspielern gnadenlos ins Gericht und empfiehlt Joachim Löw für seine kommenden Aufgaben eine harte Hand.

"Mannschaft machte das Gegenteil dessen, was Löw ihr aufgetragen hat"

Der Kaiser, Weltmeister als Spieler (1974) und als Teamchef (1990), hat knallhart mit den WM-Versagern abgerechnet. Der Grund für die Enttäuschung in Russland war laut Beckenbauer "die Einstellung. So kann man keine WM spielen", sagte der 72-Jährige der "Bild". "Fußball ist in erster Linie ein Laufspiel. Es bestand aber null Bereitschaft dazu. Die Mannschaft hat eher das Gegenteil dessen gemacht, was ihr Löw aufgetragen hat."

Deshalb riet Beckenbauer dem Bundestrainer dringend zu einem Kurswechsel in seiner Personalpolitik. Löw müsse bei der Nominierung des Nationalmannschaftkaders "hart sein, Dankbarkeit bringt ihn nicht weiter".

Kurswechsel dringend nötig

Dass Löw seine Arbeit nach dem Vorrunden-Aus fortsetzt, befürwortete Beckenbauer, weil er die Hauptschuld für das Versagen in Russland bei den Spielern sieht. Aber "Jogi wird einiges verändern müssen, nachdem ihm erfahrene Spieler den Einsatz verweigerten", so Beckenbauer.

Er selbst sei nie in einer solchen Situation gewesen. "1986 haben wir immerhin das Endspiel erreicht. Vor Beginn der WM musste ich mich von älteren Spielern trennen oder sie in die zweite Reihe stellen", sagte Backenbauer. "Der Einzige, der das nicht verstehen wollte, war Uli Stein. Deshalb musste er nach Hause fahren." Zuvor hatte der Keeper mannschaftsintern seinen Unmut geäußert und den damaligen Teamchef beim Turnier in Mexiko einen "Suppenkasper" genannt. Das Finale im Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt verlor die DFB-Auswahl 2:3 gegen Argentinien.