Der Held vom Hudson: Pilot Chesley B. Sullenberger rettete 155 Menschenleben

Der Flug 1549 der US Airways war auf dem Weg zum Charlotte Douglas International Airport in North Carolina. Doch Wildgänse gerieten ins Triebwerk. Die Maschine stürzte über New York City ab
Der Flug 1549 der US Airways war auf dem Weg zum Charlotte Douglas International Airport in North Carolina. Doch Wildgänse gerieten ins Triebwerk. Die Maschine stürzte über New York City ab
© AP, Edouard H. R. Gluck

15. Januar 2011 - 16:09 Uhr

"Ich habe nur meinen Job gemacht"

Vor zwei Jahren am 15. Januar 2009 um 15:25 Uhr war Chesley B. Sullenberger noch ein ganz gewöhnlicher Amerikaner: Verheiratet, zwei Töchter, Pilot bei US Airways. Nur sechs Minuten später hatte er 155 Menschen das Leben gerettet. Für die Öffentlichkeit ist er fortan der "Sully, der Held vom Hudson."

Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Jeffery B. Skiles startet Sullenberger vom New Yorker Flughafen LaGuardia. Flug 1549 der US Airways ist ein Inlandsflug mit Zwischenlandung, erstes Ziel ist der Charlotte Douglas International Airport in North Carolina. An Bord befinden sich 150 Passagiere und drei weitere Crew-Mitglieder.

Der Airbus A320 befindet sich noch im Steigflug, als Wildgänse in beide Triebwerke geraten. Eines der Triebwerke fängt Feuer. Die Maschine verliert mitten über New York an Höhe.

New York hat einen neuen Helden

Pilot Chesley B. Sullenberger rettete mit der richtigen Entscheidung einer Notlandung 155 Menschen das Leben
Pilot Chesley B. Sullenberger rettete mit der richtigen Entscheidung einer Notlandung 155 Menschen das Leben
© Oliver Hadlow-Martin/Splash

Wird die Maschine es noch bis zum nächsten Flughafen schaffen oder wird sie damit zur Gefahr für das dicht besiedelte Gebiet unter ihr? All das ist innerhalb von wenigen Sekunden abzuwägen. Sullenberger bleibt ruhig und entscheidet sich für eine Notlandung auf dem Hudson River zwischen New York und New Jersey. Er stellt den Funkkontakt zum Fluglotsen ab, um sich ganz auf das ungewöhnliche Landemanöver zu konzentrieren. "Ich wusste, dass ich es schaffen könnte", wird Sullenberger später sagen.

Wie bei einer normalen Landung kommt es auch bei der Notwasserung darauf an, die Tragflächen möglichst symmetrisch zum Untergrund zu halten. Wenn die gewohnten Bezugspunkte der Landebahn fehlen, ist das für den Piloten bereits eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass bei einer Notwasserung das Fahrwerk nicht ausgefahren wird. Der Pilot muss stattdessen mit dem Heck zuerst aufsetzen, um Beschädigungen an und in der Kabine zu vermeiden. Das alles muss bei einer Geschwindigkeit passieren, bei der sich die Maschine noch gut kontrollieren lässt, die aber anderseits nicht zu hoch sein darf, um die entstehende Drucklast beim Aufsetzen gering zu halten.

"Ich habe nur meinen Job gemacht!

Der Held vom Hudson: Pilot Chesley B. Sullenberger rettete 155 Menschenleben
© dpa, A2800 epa GLuck

Chesley B. Sullenberger macht alles richtig. Um 15:31 landet er den Airbus auf dem Hudson River, direkt vor der berühmten Skyline Manhattans. Das Flugzeugheck wird in Mitleidenschaft gezogen, der Rest des Flugzeugs bleibt intakt. Alle Insassen überleben die Notlandung, einige werden leicht verletzt. Die Passagiere verlassen die Kabine über die Notrutschen und die Tragflächen. Fähren, die auf dem Hudson River fahren, kommen an die Unglücksstelle. Später folgen Boote der Küstenwache. Der Airbus A320 treibt lange genug auf dem Wasser, dass alle Passagiere gerettet werden können. Das Flugzeug wird später mit Kranschiffen geborgen.

Experten sind sich einig: Die erfolgreiche Notwasserung war eine Meisterleistung. Die Entscheidungen, die in kürzester Zeit getroffen werden mussten, lagen weit außerhalb der alltäglichen Anforderungen an einen Piloten und seine Crew. Auch in Flugsimulatoren kann eine vergleichbare Situation kaum nachgestellt werden. Sullenberger, der 'Held vom Hudson', zeigt sich dagegen bescheiden: "Ich habe nur meinen Job gemacht".

Dabei hatten die Passagiere mit ihrem Piloten großes Glück: Sullenberger erhielt seine Ausbildung bei der US Airforce und verfügte zum Zeitpunkt der Notlandung über 42 Jahre Berufserfahrung. Neben seiner Tätigkeit als Pilot ist Sullenberger auch in der Fortbildung der US Airways tätig – mit dem Schwerpunkt Flugsicherheit.

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Zehn Monate Ruhe nach der Notlandung

Ein Flugzeug, das tief über New York fliegt – knapp sieben Jahre nach den Anschlägen vom 11. September löst dieses Bild wieder Glücksgefühle bei den Amerikanern aus. Wohl auch deswegen wurde Sullenberger zum Nationalhelden. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ehrte ihn mit dem Goldenen Schlüssel der Stadt – einer Auszeichnung, die vergleichbar mit einer Ehrenbürgerschaft ist. Sullenbergers Geburtsort Danville in Kalifornien bereitete dem Piloten ein 'Hero's Welcome'.

Nach seiner Heldentat bleibt Sullenberger erst mal für fast zehn Monate am Boden, erst im Oktober 2009 tritt er wieder den Flugdienst an. In der Zwischenzeit beförderte ihn die US Airways in die Sicherheitskommission des Unternehmens. Außerdem schrieb Sullenberger seine Memoiren. Titel: 'Man muss kein Held sein: Auf welche Werte es im Leben ankommt'.

Alexandra Spürk