"Moralische Bankrotterklärung"

Der FC Schalke 04 ist (k)ein Schlachthof

23. Juni 2020 - 22:08 Uhr

Von Tobias Nordmann

Völlig egal, was am Samstag beim SC Freiburg passiert, der FC Schalke 04 wird nach dem letzten Saisonspiel Konsequenzen verkünden. Und die werden wohl drastisch ausfallen. Zu katastrophal präsentiert sich die Mannschaft in der Rückrunde der Bundesliga. Nur einer hat nichts zu befürchten: Trainer David Wagner.

Schalke: Volles Vertrauen in den Coach

Wenn am Samstag die 57. Saison der Bundesliga endet, dann will der FC Schalke 04 aufräumen und Konsequenzen verkünden, auf die man sich bereits intern geeinigt hat. Wohl niemand aus dem Krisen-Ressort Profifußball sollte sich seiner künftigen Zugehörigkeit sicher sein, außer eben Wagner.

Der Trainer, der mit seiner Mannschaft seit 15 Ligaspielen nicht mehr gewonnen hat, darf sich weiter dem maximalen Vertrauen seiner Bosse sicher sein. Sportchef Jochen Schneider erklärte nach der deftigen 1:4-Klatsche daheim gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Samstag gegenüber den "Ruhr Nachrichten" abermals: Er habe zu "100 Prozent" Vertrauen in die Arbeit des 48-Jährigen.

Schalkes „Glück“ mit den Geisterspielen

Dass Wagner womöglich die einzige Konstante nach einer der turbulentesten Spielzeiten der turbulenten Vereinshistorie ist, ist mindestens bemerkenswert. Und wären da nicht die Geisterspiele und ein Aberwitz an Verfehlungen neben dem sportlichen Horror, dann wäre auch Wagner vermutlich längst weg. Kaum vorstellbar, dass der Club den Druck der pfeifenden und wütenden Massen ausgehalten hätte, der sich nach den zahlreichen Peinlichkeiten entladen hätte.

Zwar hat der Trainer mit zahlreichen Ausfällen von kaum zu ersetzenden Stützen zu kämpfen - unter anderem fällt die Top-Besetzung des Mittelfelds mit Kapitän Omar Mascarell, mit Suat Serdar und Amine Harit seit Wochen aus. Allerdings erklärt das nicht, dass viele Spiele irgendwie wehrlos und taktisch ängstlich hergeschenkt wirkten. Und auch den eher zögerlichen Umgang mit hoffnungsvollen Talenten wie Stürmer Ahmed Kutucu oder Nassim Boujellab können viele Fans nicht nachvollziehen.

ARCHIV - 31.01.2020, Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC - FC Schalke 04, 20. Spieltag im Olympiastadion. Omar Mascarell von Schalke vor dem Spiel. (zu dpa: «Schalke-Kapitän Mascarell unterzieht sich nun doch Adduktoren-OP») Foto: Soeren Stache/d
Muss seit Monaten verletzungsbedingt zuschauen: Schalkes Kapitän Omar Mascarell
© dpa, Soeren Stache, soe nic

Selten "ein katastrophaleres Bild abgegeben"

Die Jungs, die aus der Knappenschmiede kommen, leben vielen Anhängern jene Werte vor, die den Verein eigentlich auszeichnen. Drei davon: Leidenschaft, Identifikation, Maloche. Wer diese nicht lebe, der "muss den Verein verlassen." Das gilt nicht nur für die Fußballer. In einer ausführlichen Stellungnahme zerlegen die Ultras GE die Clubführung - und verschonen dabei zumindest vorerst die Mannschaft und die Trainer. "So unglaublich es derzeit scheint, die elementaren Probleme unseres Vereins liegen nicht auf dem Platz. Die Saison ist eine moralische Bankrotterklärung. Ein Ausverkauf der Schalker Werte, die zu Marketing-Zwecken zwar gern benutzt, ansonsten aber mit Füßen getreten werden."

Der Verein verliere zunehmend an "Glaubwürdigkeit und Identifikation". Selten habe der FC Schalke 04 "ein katastrophaleres Bild abgegeben". Konkret nehmen die Ultras den Ehrenrat, den Umgang mit der brisanten finanziellen Situation und das Gebaren des Aufsichtsrates ins Visier ihrer Abrechnung. Die Gremien und Verantwortlichen seien es, "die unseren Verein Woche für Woche der Lächerlichkeit preisgeben und jeglichen Kontakt zur Gelsenkirchener Realität verloren zu haben scheinen".

Fans setzen Zeichen mit friedlichem Protest

In den vergangenen Wochen und Monaten war der Klub wegen eines Härtefallantrags bei der Rückerstattung von Tickets sowie wegen der Entlassung von 24 Mitarbeitern des Fahrdienstes heftigst in die Kritik geraten. Nun steht Club-Boss Clemens Tönnies mal wieder im Mittelpunkt – und dabei geht es ausnahmsweise mal nicht um die Königsblauen: Jener Tönnies, der nun auch noch für den bislang größten Corona-Ausbruch in NRW steht, weil in dessen großer Schlachtfabrik offenbar Hygiene- und Abstandsregeln missachtet wurden.

Wenn am Samstag die 57. Saison der Fußball-Bundesliga endet, werden auch die Fans ein Statement setzen. Sie werden während des (bedeutungslosen) Spiels der Schalker beim SC Freiburg (ab 15.30 Uhr im RTL-Liveticker) eine Menschenkette rund um das Vereinsgelände am Berger Feld bilden. Die Hygienebestimmungen in Folge der Corona-Pandemie sollen bei dem friedlichen Protest selbstverständlich eingehalten werden. Das Motto lautet übrigens: "Schalke ist kein Schlachthof! Gegen die Zerlegung unseres Vereins."

(Quelle: ntv.de)