Der FC Bayern und Hansi Flick

Viel Zuckerbrot, aber noch mehr Peitsche

Wie geht's weiter für Hansi Flick?
Wie geht's weiter für Hansi Flick?
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07. April 2021 - 21:07 Uhr

Von Tobias Nordmann

Die sportliche Beziehung zwischen dem FC Bayern und Hansi Flick ist sehr erfolgreich. Niemand wird das bezweifeln. Atmosphärisch dagegen ist diese Beziehung eigenartig unharmonisch. Das liegt auch an einem nicht nachvollziehbaren Schlingerkurs.

"Sie werden ohne Hansi planen müssen"

 23.08.2020, Final Football UEFA Champions League FC BAYERN MUENCHEN - PARIS ST. GERMAIN PSG 23.08.2020, UEFA Champions League 2019/2020, Finalturnier, Finale in Lissabon, FC BAYERN MUENCHEN - PARIS ST. GERMAIN PSG, im Estadio da Luz Lissabon, Champi
Selten so harmonisch.
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Dieser Hansi Flick, das ist einer! Ein richtig guter Mann. Und so einen gibt man freilich nicht einfach her. Auch nicht an den Deutschen Fußball-Bund, der natürlich immer interessiert ist, den besten Coach (aktuell wird das allerdings von vielen Seiten bezweifelt) für das wichtigste Team der Nation (aktuell wird das allerdings von vielen Seiten bezweifelt) zu beschäftigen. Aber in diesem Fall wird das nichts, wie es schon im Fall von Jürgen Klopp nichts wurde. Einzig einen Unterschied gibt es. Klopp hat persönlich erklärt, dass er nicht zur Verfügung steht. Die Absage von Flick kommt dagegen vom FC Bayern, seinem aktuellen Arbeitgeber.

Abermals erklärte nun Alphaboss Karl-Heinz Rummenigge, dass der DFB die Nachfolge von Joachim Löw ohne den Trainer des Rekordmeisters regeln müsse. Im Wortlaut gegenüber dem Magazin "The Athletic" heißt es dann so: "Sie werden ohne Hansi planen müssen." Nun ist die Lage so: Die Münchner haben ihren überaus erfolgreichen Übungsleiter - sechs Titel in anderthalb Jahren - mit einem Vertrag bis 2023 am Haken. Von einer möglichen Klausel zu einem vorzeitigen Ausstieg ist nichts bekannt. Bedeutet also: Der Titel-Pfad wird gemeinsam weiter bestritten. Tja, wenn das doch so einfach wäre.

Denn so zufrieden die Münchner mit der Arbeit des Trainers sind (wenig überraschend), so unzufrieden soll der mit den Bedingungen seiner Arbeit beim Klub sein. In der sich zu einem bizarren Schauspiel aufbauenden Epos legt die "Sport Bild" nun die Erkenntnis offen, dass sich Flick ernsthaftere Gedanken um seine Zukunft in der bayrischen Landeshauptstadt mache. Dabei soll es ihm aber weniger um das reizvolle Amt beim DFB gehen, als um das offenbar immer noch angespannte Verhältnis zu Sportvorstand Hasan Salihamidžić. Trotz medienwirksam verkündeter Versöhnung.

Fakt ist: Ein unmissverständliches Bekenntnis zum Klub vermeidet Flick seit Wochen. So auch direkt vor dem Champions-League-Duell gegen Paris St. Germain. Trotz mehrfacher Nachfrage, ließ der 56-Jährige eine klare Antwort zu seiner Zukunft wieder einmal offen. Auch Salihamidzic konnte kurz danach die anhaltenden Zweifel nicht ausräumen. Im Gegenteil: Seine ausweichenden Antworten ließen weiteren Raum für reichlich wilde Spekulationen. Sky-Experte Lothar Matthäus ist sich derweil sogar sicher, dass es zur Trennung kommt.

Transfer- und Kaderplanung bleibt Zoff-Thema

 Bilder des Tages - SPORT Fußball Champions League Gruppenphase 6. Spieltag FC Bayern München - Paris Saint-Germain am 05.12.2017 in der Allianz Arena in München Jupp Heynckes  Cheftrainer München  *** Soccer Champions League Group Stage 6 Gameday FC
Der denkbar wuchtigste Vergleich: Jupp Heynckes.
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Für Ärger sorgt das immer wiederkehrende Thema rund um die Transfer- und Kaderplanung. Dass sich Flick mehr Mitspracherecht wünscht, ist schon länger bekannt. Spieler werden ohne seine Expertise geholt und abgegeben. So wie Thiago in vergangenen Saison, David Alaba nach dieser Spielzeit und nun wohl auch Jérôme Boateng (auch nach dieser Spielzeit), zu dem der Trainer eine ganz besondere Beziehung pflegt. Nicht nur wegen des 2014 in Brasilien gemeinsam gewonnenen WM-Titels. Nicht nur wegen der erfolgreichen Wiederauferstehung des 32-Jährigen nach schwachen Jahren mit gewaltigen Entfremdungstendenzen zwischen Spieler und den Klub-Bossen um Rummenigge und Uli Hoeneß. Salihamidžić beharre derweil in der Transfer- und Kaderplanung unbeeindruckt auf seiner Hauptverantwortlichkeit, so die "Sport Bild".

Die Hauptverantwortlichkeit für alle Belange der Mannschaft und der Spieler hingegen beansprucht Flick ja derweil bereits länger für sich. Immer wieder hatte er unnötige Einmischungen beklagt. Besonders im Fall des frustrierten Ersatztorwarts Alexander Nübel, dem Einsätze versprochen worden sein sollen (vom Sportvorstand), die er nicht bekommt (vom Trainer). Zuletzt hatte sich auch Patriarch Hoeneß am RTL-Mikrofon eingemischt und nonchalant ein paar Spiele für Nübel gewünscht. Und Hoeneß, der den Aufstieg von Salihamidžić beim FC Bayern vorangetrieben hat, soll auch dessen Meinungsstabilität in der Transferplanung stützen. Der Trainer ist eben ein Angestellter und muss mit dem bereitgestellten Personal arbeiten. Mehr Peitsche für die Mitsprache-Ambitionen von Flick geht wohl kaum.

Aber nicht nur die Peitsche knallt, auch ein wenig Zuckerbrot wird gereicht. Auch von Hoeneß. "Es ist doch völlig hirnrissig, darüber nachzudenken, sowohl für Hansi als auch für uns", befand er Anfang Februar im Bayerischen Rundfunk. "Er fängt ja gerade erst an, eine große Karriere als Trainer zu machen." Und Rummenigge scheut sich nun auch nicht, den denkbar schönsten Schmeichel-Vergleich herzunehmen. Den Sextuple-Gewinner vergleicht er mit Triple-Trainer-Legende Jupp Heynckes. Der Hansi habe schließlich "die gleiche Philosophie und das gleiche Einfühlungsvermögen" wie Heynckes, sagte Rummenigge: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Du könntest der Bruder von Jupp sein oder sein Sohn. Such's dir aus'." Ein eigenartiger Schlingerkurs.