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Britischer Botschafter zu Brexit - und deutschem Humor

„Wir wollen ein stinknormales Handelsabkommen“

28. August 2020 - 11:00 Uhr

Die Zeit wird knapp

Vor lauter Corona ist der Brexit etwas aus dem Blick geraten. Dabei wird es langsam Zeit. Bis Mitte Oktober sollten sich Europäische Union und Großbritannien einigen, sonst ist ein harter Bruch zwischen den Handelspartnern unvermeidbar. Der britische Botschafter in Deutschland setzt auf eine Einigung in letzter Minute. Angela Merkel könnte dabei wieder behilflich sein.

Sonderpflichten wären unfair

Der britische Botschafter in Deutschland, Sebastian Wood, sieht weiterhin Chancen für einen positiven Abschluss der Brexit-Gespräche zwischen der Europäischen Union und Großbritannien. "Wenn die EU bereit ist zu akzeptieren, dass Großbritannien ein völlig normales - ich möchte sagen: stinknormales - Handelsabkommen mit der EU in der Zukunft erhält, vergleichbar mit Handelsabkommen mit Kanada, Japan oder Singapur, die die EU bereits vereinbart hat, dann werden wir einen Deal haben", sagte Wood in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv.

Zugleich räumte Wood ein, dass die Fronten verhärtet sind. "Was London nicht bereit ist zu akzeptieren, sind Sonderpflichten, die nur für Großbritannien gelten, weil wir früher Mitglied der EU waren und jetzt austreten. Das wäre aus britischer Sicht unfair."

Wichtige Rolle für Merkel

Mehrfach betonte der Botschafter, oberste Priorität der britischen Regierung sei die Erlangung einer unabhängigen Wirtschaftspolitik. Das sei das Ziel des Brexit.

In den nächsten Verhandlungsrunden werde der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine wichtige Rolle zukommen. Der Botschafter erwähnte dabei Angela Merkel als "erfahrenste Politikerin der EU" und verwies auf das Zustandekommen des Austrittsabkommens im Herbst 2019. "Damals hatte sie eine sehr wichtige Rolle gespielt und das wird wieder der Fall sein" sagte er RTL/ntv.

Ein harter Brexit? Man wird’s überleben!

Angesprochen auf einen harten, ungeregelten Brexit erklärte der Diplomat: "Wenn es keinen Deal zwischen uns gibt, wäre es schade für beide Seiten." Die Risiken hält Wood dabei für überschaubar. "Beide Seiten könnten es überleben. Und wenn wir in der Zukunft zurückblicken, dann werden wir sehen, dass andere Fragen für beide Seiten zu diesem Zeitpunkt noch wichtiger waren." Als Beispiele nannte der scheidende Botschafter die Corona-Pandemie, den Umgang mit dem Klimawandel und die Beziehungen zu China.

Und doch: Die Deutschen haben Sinn für Humor!

Sir Sebastian Wood gibt am 9. September seinen Posten als britischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland nach fünf Jahren auf und kehrt zurück nach London. Die Zeit hier war für ihn nicht immer einfach. Der Brexit hat Wunden aufgerissen, der Botschafter musste viel erklären und vermitteln. Und auch jetzt betonte er immer wieder: Außerhalb der EU werde sich Großbritannien nicht gravierend verändern. Man bleibe befreundet. Es werde Zusammenarbeit geben, in der Außenpolitik werde sie sich sogar verstärken.

Am meisten habe ihn in Deutschland der Humor überrascht. Das hatte er offenbar anders erwartet. Natürlich sei der deutsche Politikbetrieb sehr nüchtern: "In einer parlamentarischen Debatte hört man nur wenige witzige Bemerkungen, im britischen Parlament ist ganz anders." Aber dann: "In privaten Gesprächen gibt es viel Humor hier in Deutschland. Das hat mir sehr gefallen und hat mich auch ein bisschen überrascht."

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