Kinostart: 14. November 2019

Der absolute Horror einer jeder Mutter: „My Zoe“ - Filmkritik

14. November 2019 - 16:44 Uhr

von Mireilla Zirpins

Dieser Film von und mit Julie Delpy lässt garantiert niemanden kalt, am allerwenigsten Menschen, die selbst Eltern sind. Weil er uns mit unserer schlimmsten Urangst konfrontiert: Der Angst, den Tod unseres eigenen Kindes erleben zu müssen. Was diese Geschichte so besonders und verstörend macht, erklärt unsere Video-Kritik.

Schonungslos und verstörend: Psycho-Drama „My Zoe“

Julie Delpy hat uns in Filmen wie "2 Tage Paris" gezeigt, wie lustig sie sein kann als Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin in Personalunion. In ihrem neuen Film, in dem sie wieder neben Daniel Brühl die Hauptrolle spielt, mutet sie uns ganz anderes zu: den unerträglichen Schmerz einer Mutter, die sich die Zeit mit ihrem einzigen Kind mit ihrem verfeindeten Ex teilt und die auf krasse Ideen kommt, als ihr Kind plötzlich morgens nicht mehr aufwacht.

Schon der Kampf zwischen der passiv aggressiven Isabelle (uneitel und überzeugend: Julie Delpy) und ihrem kontrollorientierten Verflossenen James (ein blasser Richard Armitage, bekannt aus "Hobbit") um das hinreißende Töchterchen Zoe (süß und natürlich: Sophia Ally) ist zermürbend, weil schonungslos ehrlich. Doch als das Kind plötzlich in Lebensgefahr schwebt, geht's ans Eingemachte - nicht nur für die verfeindeten Ex-Eheleute, sondern auch für den Zuschauer, dem hier emotional einiges zugemutet wird. Den plötzlich lotet die verzweifelte Mutter die Grenzen der genetischen Reproduzierbarkeit aus ...

Eine harte Geschichte, angesiedelt in einer nur lose angedeuteten nahen Zukunft, die zudem eine im Prinzip spannende ethische Diskussion aufwirft. Gehen wir als Zuschauer mit mit der Protagonistin, deren seelische Leiden wir nur erahnen können?

Julie Delpy hat noch nie davor zurügeschreckt, mit typischen Hollywood-Frauenbildern zu brechen. Umso spannender ist es, dass sie ihre ethischen Fragestellungen am Beispiel einer geschiedenen Mittvierziger Working Mom verhandelt, die nicht wie aus dem Ei gepellt wirkt, auch wenn sie eine schöne Frau ist. Ihr Drama ist nicht einfach auszuhalten und sicher auch nicht durchweg gelungen, aber einer der mutigsten Filme des Jahres.