Kontakte reduzieren, Abstand halten, zu Hause bleiben

Depressionen in der Coronakrise - ein Betroffener erzählt: "Jeder Start in den Tag ist ein Kampf"

07. Januar 2021 - 11:14 Uhr

Lockdown verstärkt Depressionen

Eigentlich hatte Pat Sechelmann seine Depressionen mithilfe einer Psychotherapie überwunden. Eigentlich. Doch dann kam Corona. Über seine wieder aufgelebte Depression zu sprechen, fällt dem 44-jährigen Hamburger nicht leicht.

Wie er die harte Zeit im Lockdown erlebt hat und was ihn antreibt, doch über seine Krankheit zu sprechen, erzählt er unserer Reporterin im Video.

Soziale Isolation und Einsamkeit

Sich mit Freunden treffen, reden, etwas unternehmen: Soziale Kontakte sind für Menschen mit Depressionen extrem wichtig. Auch Pat Sechelmann erzählt, dass er die Bestätigung von seinem Gegenüber braucht. Durch die Coronakrise und die Kontaktbeschränkungen können Isolation und Einsamkeit zunehmen – das weiß auch Dr. Gregor Leicht. Er leitet die Depressionsstation am Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf. "Einsamkeit ist ein Symptom von Depressionen und dieses tiefe Gefühl von Einsamkeit, das wird natürlich verstärkt, wenn man nicht einfach mehr zu sozialen Kontakten kommt, worüber man normalerweise nicht nachdenkt. Zum Beispiel: Was passiert am Arbeitsplatz oder bei Familientreffen?", so der Facharzt.

Lockdown kann Depression auslösen

Dr. Gregor Leicht erforscht das psychische Befinden in der Pandemie. Eine Studie zu dem Thema soll in Zukunft veröffentlicht werden. Er stellt fest, dass seine depressiven Patienten sehr unter der Pandemie leiden. Auch kann der Lockdown der endgültige Auslöser für den Ausbruch von Depressionen sein. Dabei seien vor allem Menschen gefährdet, die erblich oder anderweitig, wie durch ein Trauma, vorbelastet sind, so Dr. Gregor Leicht. "Es ist ganz wichtig, dass man versucht, soziale Kontakte weiter zu pflegen. Auch wenn das schwer fällt und es einem nicht gut geht, sollte man unbedingt zum Telefon greifen. Aber man sollte auch auf seine Mitmenschen achten und wenn Symptome wie Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen anhalten, dann sollte man unbedingt zu einem Arzt raten."

Auch Pat Sechelmann hat sich Hilfe gesucht. Er möchte Menschen mit Depressionen eine Stimme geben, um zu zeigen: Ihr seid nicht allein. In Deutschland erkranken jährlich fünf Millionen Menschen an Depressionen.

Sie leiden auch an Depressionen? Hier bekommen Sie Hilfe

Die Telefonseelsorge ist jederzeit, auch an Sonn- und Feiertagen, kostenlos unter den Rufnummern 0800-1110111 und 0800-1110222 erreichbar.