Spontan-Demos in mehreren Städten

Tausende Deutsche fordern Aufnahme der Moria-Geflüchteten

September 9, 2020, Munich, Bavaria, Germany: We have room calling for the intake of refugees in Germany. Approximately
September 9, 2020, Munich, Bavaria, Germany: We have room calling for the intake of refugees in Germany. Approximately
© imago images/ZUMA Wire, Sachelle Babbar via www.imago-images.de, www.imago-images.de

10. September 2020 - 11:21 Uhr

Nach Moria-Bränden: Demonstrationsaufruf der Organisation Seebrücke

Brände haben weite Teile des Camps Moria auf der griechischen Insel Lesbos zerstört. Nach Aufrufen zu Spontan-Demos der Organisation Seebrücke gingen in mehreren deutschen Städten Tausende Menschen auf die Straßen. Sie forderten die Aufnahme von Geflüchteten. In Moria lebten zuletzt über 12.000 Menschen - in einem Lager mit einer geplanten Kapazität von 2.800. Die Demonstrationen in Deutschland standen unter dem Motto #WirhabenPlatz.

09.09.2020, Griechenland, Lesbos: Migranten fliehen vor einem erneuten Feuers mit ihren Habseligkeiten aus dem Flüchtlingslager Moria, nachdem zuvor bereits mehrere Feuer das Lager nahezu vollständig zerstört haben. Vorangegangen waren Unruhen unter
Geflüchtete verlassen nach dem Brand das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
© dpa, Petros Giannakouris, TS

Hier lesen Sie einen Kommentar von RTL-Reporter Alexander Oetker, der im Jahr 2015 als einer der ersten Journalisten Moria besuchte. Den Brand bezeichnet er als "Armutszeichen für jeden von uns".

Proteste in Berlin: „Moria evakuieren“ und „Shame on you EU“

In Berlin beteiligten sich am Mittwochabend laut Polizei rund 3.000 Menschen, in Hamburg mehr als 1.200 und in Frankfurt am Main 300. Auch aus München, Köln und Bonn erreichten unsere Redaktion Bilder von Demonstrationen – diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Demonstranten verlangten die sofortige Evakuierung aller Lager auf den griechischen Inseln und die Aufnahme der Menschen. Einzelne Staaten müssten dabei vorangehen, da eine europäische Lösung nicht in Sicht sei, erklärte die Organisation Seebrücke. Auch die Internationale Liga für Menschenrechte hatte zu den Kundgebungen aufgerufen. Die Demonstranten zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Moria evakuieren" und "Shame on you EU" ("Schande über Dich, EU"). Eine Evakuierung des Lagers sei wegen der dort herrschenden unhaltbaren hygienischen Zustände schon vor dem Feuer nötig gewesen, sagten Redner.

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Im Video: Krankenschwester beschreibt das Inferno in Moria

Offenbar durch Brandstiftung entstandene Feuer hatten in der Nacht zu Mittwoch weite Teile des Camps Moria zerstört. Geflüchtete rannten in Panik aus ihren Behausungen, verloren ihr letztes Hab und Gut. Am Mittwochabend brach ein weiteres Feuer in einem bis dato noch nicht betroffenen Teil des Lagers aus. Die Bundesregierung lehnt eine Aufnahme von Flüchtlingen ab, pocht auf eine europäische Lösung und versprach Hilfen.