Demos in Köln und Hamburg

Sexarbeiterinnen fordern Wiedereröffnung der Bordelle

Sexarbeiterinnen demonstrieren gegen Corona-Arbeitsverbot
© dpa, Marius Becker, mb abl

30. Juli 2020 - 11:56 Uhr

Auch Aidshilfe will Prostitution trotz Corona wieder zulassen

Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist Prostitution in Deutschland verboten, viele Menschen bringt das in Bedrängnis, weil sie kein Geld verdienen dürfen. In Köln und Hamburg haben Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber gegen die harten Einschränkungen für Prostitution in der Corona-Pandemie protestiert. Auch die Deutschen Aidshilfe fordert, dass "älteste Gewerbe der Welt" zügig wieder zu erlauben - in Bordellen, mobil und auf der Straße.

Hygienekonzepte liegen vor

Entsprechende Hygienekonzepte lägen vor, erklärte der Verband. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien hätten diesen Schritt bereits vollzogen.

Hierzulande werde Prostitution dagegen zurzeit ins Verborgene verdrängt und finde somit unter gefährlichen Bedingungen statt. Ulf Kristal vom Vorstand der Aidshilfe sagte, Sexarbeit dürfe nicht anders behandelt werden als andere Tätigkeiten mit engem Körperkontakt. "Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist."

Ihre Meinung ist gefragt: abstimmen!

"Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen´"

Er wies darauf hin, dass das Tätigkeitsverbot viele Sexarbeiterinnen in Notlagen bringe. "Viele sind ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden verschärft." Auf der anderen Seite werde Kunden und Kundinnen die sexuelle Dienstleistung vielfach verwehrt - was eine Einschränkung ihrer Sexualität sein könne.

Die derzeitige Verdrängung in die Illegalität habe fatale Folgen. Menschen in der Sexarbeit brauchten ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung. "Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Dort lässt sich auch Infektionsschutz am besten umsetzen. Gerade jetzt, wo Infektionszahlen wieder steigen, sind klare Spielregeln wichtig."

Entsprechende Hygienekonzepte sähen vor: Mund-Nasen-Schutz plus eine Unterarmlänge Abstand zwischen Gesichtern plus Safer Sex. Hundertprozentige Sicherheit werde auch in anderen Branchen nicht gefordert und wäre ohnehin illusorisch.

"Sex ist systemrelevant"

29.07.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Eine Domina hält während einer Demonstration von Sexarbeiterinnen ein Schild mit der Aufschrift «Der Staat fickt uns und zahlt nix». Die Sexarbeiter demonstrierten gegen das Arbeitsverbot wegen Corona. Trotz Cor
Sexarbeiterinnen demonstrieren gegen Corona-Arbeitsverbot
© dpa, Marius Becker, mb abl

Am Mittwoch demonstrierten Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber am Kölner Dom gegen die harten Einschränkungen für Prostitution in der Corona-Pandemie protestiert. "Sex ist systemrelevant" stand auf einem Plakat, auf einem anderen "Der Staat fickt uns und zahlt nix".

Die Politik zeige keine Perspektive auf, so der Vorwurf. Bordelle blieben deutschlandweit geschlossen, während viele andere Bereiche bereits gelockert worden seien. "In unserer Branche arbeiten viele Menschen, die von der Hand in den Mund leben. Die haben keine Rücklagen. Die arbeiten jetzt auch schon wieder - in der Illegalität", sagte Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD). "Dabei könnte man in den Bordellen die Hygieneverordnungen viel besser umsetzen."

"Herr Tschentscher, wir müssen reden"

 Demonstration der Initiative Demonstration Sexy Aufstand Reeperbahn auf der Hamburger Reeperbahn, Ecke Davidstraße/Ecke Herbertstraße, für die Wiedereröffnung der Bordelle und sofortige Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit und die Öffnung i
Demonstration der Initiative Demonstration Sexy Aufstand Reeperbahn auf der Hamburger Reeperbahn, Ecke Davidstraße/Ecke
© imago images/Hanno Bode, HANNO BODE via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Unter dem Motto "Herr Tschentscher, wir müssen reden" demonstrierten Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber am Dienstagabend auf St. Pauli erneut für eine Wiederzulassung der Prostitution. "Lieber legal und kontrolliert - als illegal und unkontrolliert", forderten sie und appellierten an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), das Prostitutionsgewerbe "im Sinne der Pandemie-Bekämpfung" wie bereits andere körpernahe Dienstleistungen aus dem Corona-Lockdown zu entlassen.