Nach umstrittener Gerichtsentscheidung

Demonstrantinnen machen klar: Karneval ist kein Freibrief zum Grapschen

19. Februar 2020 - 22:17 Uhr

Richterin ließ mutmaßlichen Po-Grapscher davonkommen

Das Datum ist kein Zufall. Einen Tag vor Weiberfastnacht sind Frauen in Köln auf die Straße gegangen, um klarzustellen: Karneval ist kein Freibrief zum Grapschen. Hintergrund ist die umstrittene Entscheidung einer Kölner Richterin, die einen mutmaßlichen Po-Grapscher straffrei davonkommen ließ. Die Demonstrantinnen können das nicht nachvollziehen, wie sie im Video deutlich machen.

Mann soll im Kölner Karneval Frau unter Rock gefasst haben

Jecken feiern auf dem Alter Markt in Köln Karneval
Grapschen ist tabu - egal, wie jeck man ist, stellten die Demonstrantinnen klar (Symbolbild).
© dpa, A3508 Rolf Vennenbernd

Am 11.11.2018 soll der Mann einer Frau unter den Rock gefasst und ihren Po berührt haben. Auf einer Rolltreppe, im Kölner Karnevalsgetümmel. Sie erstattete Anzeige; im anschließenden Verfahren bestritt der mutmaßliche Täter den Vorwurf. Die Richterin stellte das Verfahren ein – mit einer Begründung, die die Demonstrantinnen auf die Palme bringt: "Es war der 11.11.", erklärte die Richterin laut "Express". Und ob die Tat tatsächlich begangen wurde, könne man anheimstellen, denn: Der Vorwurf sei so geringfügig, "dass wir das auf uns beruhen lassen können".

Außerdem sei eine geladene Zeugin nicht gehört und der Fall mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. "Aus prozessökonomischem Gründen", lautete nach Angaben des Blattes die Begründung.

Amtsgericht Köln: im Zweifel für den Angeklagten

"Wenn es sich um ein Geschehen handelt, wo viele Menschen in einer Menge stehen, sind die Wahrnehmungen der Zeugen eingeschränkt. Und das Gericht braucht ganz klare und konkrete Aussagen", erläutert Carolin-Ann Schlösser vom Amtsgericht Köln. Ansonsten gelte: im Zweifel für den Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft sieht darin keineswegs einen Freibrief für Sextäter. In dem Fall sei ein Grund für die Einstellung des Verfahrens vermutlich gewesen, "dass wir es mit einem sexuellen Übergriff zu tun haben, der sich im unteren Bereich bewegt. Wir würden bei einem schwerwiegenden Vorfall natürlich keiner Einstellung zustimmen."

Zu der Demo hatte die Kölner Initiative gegen sexualisierte Gewalt eingeladen. Sie fordert, dass das Verfahren wieder aufgenommen wird – was aber als unwahrscheinlich gilt.

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