Demo in Leipzig – Legida: Das Braune kommt hervor

22. Januar 2015 - 19:46 Uhr

Von Tobias Elsaesser

Nein, wir sind nicht ausländerfeindlich. Nein, wir sind nicht rechts. Das sind nur Behauptungen der "Lügenpresse", so Pegida in Dresden, Legida in Leipzig, und andere 'Gidas' in anderen Städten. Und ja, bei aller Kritik an den verschiedenen islamfeindlichen Bewegungen, man muss diese Aussagen der Organisatoren erst einmal so hinnehmen. Man muss sie hinterfragen, aber darf nicht von vornherein sagen, sie lügen.

Legida: Das Braune kommt hervor
Etwas weit rechts vom Weg und aggressiv drauf: Legida in Leipzig
© REUTERS, HANNIBAL HANSCHKE

Wenn sie tatsächlich lügen, entlarven sie sich früher oder später selbst, so wie Pegida-Organisator Lutz Bachmann. Das Hitler-Foto mag man mit Wohlwollen noch unter 'misslungen', 'dämlich' oder 'schlechter Scherz' abheften, die als 'ausländerfeindlichen Äußerungen' bezeichneten Kommentare auf Facebook sind aber schlicht und ergreifend ausländerfeindlich. Bachmann zieht die Konsequenzen und tritt zurück.

Das ist nicht gerade imageförderlich, aber mit Sprecherin Kathrin Oertel hat Pegida durchaus das Potential, das wieder auszubügeln. Deswegen ist es verständlich, dass Oertel nach den Geschehnissen bei der Legida-Demo in Leipzig um Abgrenzung bemüht ist. Denn auch die entlarvt sich als rechtsextrem, ausländer- 'meinungs- und demokratiefeindlich. Wenn Legida das Volk ist, ist es um das Volk geschehen.

Was war passiert? RTL-Reporter Thomas Präkelt war am Abend in Leipzig und sagt: "Diese Legida-Demonstration, sie war doch härter, sie war am Ende feindlicher und rechtsextremer als wir das von den Demonstrationen in Dresden erlebt haben. Die Stimmung – wir haben auch Reichskriegsflaggen gesehen bei der Demonstration – die war schon deutlich schärfer."

Reichskriegsflaggen sind nun nicht gerade Symbole der Gastfreundlichkeit, auch nicht der Freundschaft generell, und auch kein Willkommensgruß. Die Leute, die solche Devotionalien auf die Straße tragen, sind sich deren Bedeutung auch bewusst. Hakenkreuze sind in dieser 'meinungsfeindlichen' Bundesrepublik ja aus gutem Grund verboten.

Absurde Vorstellung von Meinungsfreiheit

Überhaupt: das Thema 'Meinungsfreiheit' wurde in Leipzig völlig ad absurdum geführt. Unsere Reporterin Luisa Graf musste sich 'Medienfotze' schimpfen lassen, das Kamerateam wird von Legida-Ordnern angegriffen. Graf beschreibt die Situation als "bedrohlich". "Es flogen Steine, es flogen Plastikflaschen und immer wieder wurden Journalisten auch angegriffen." Laut Informationen des MDR auch bespuckt und verprügelt. Die Menschen, die sich darüber beschweren, dass sie nicht ihre Meinung sagen dürfen, hindern andere daran. Das ist nicht gerade glaubwürdig, das ist eigentlich eher armselig.

Pegida will nach eigenen Angaben eine Unterlassungsklage gegen Legida prüfen. Deren Organisatoren hätten sich bislang geweigert, den eigenen Forderungskatalog zu übernehmen. Um Schadensbegrenzung bemüht bleibt Pegida-Sprecherin Oertel nichts anderes übrig als zu sagen: "Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen", aber wie weit rechts Pegida am Ende auch steht, die Bewegung hat den Grundstein für die menschenfeindliche Demo in Leipzig gelegt.



Tobias Elsaesser wurde in Hildesheim geboren und studierte Anglistik und Latein an der Universität zu Köln. Allerdings eher im "Nebenfach" – denn er arbeitete schon während des Studiums bei RTL, was das Studium ins Hintertreffen brachte. Dort wechselte er nach einigen Fernsehjahren in die Online-Redaktion. Den Ärger über aktuelle Themen die ihn (zu sehr) bewegen, versucht er auf dem Rennrad oder mit der Musik von Bruce Springsteen hinter sich zu lassen.