Tote Hose im Rotlichtmilieu

Trotz Corona: Prostituierte fordern Bordell-Öffnung

13. Juli 2020 - 16:59 Uhr

400 Demonstrierende in Hamburg

Alarmstufe Rot im Sexmilieu! Prostituierte und Puff-Betreiber aus ganz Deutschland verlangen, dass trotz der Corona-Krise endlich wieder Leben in die Bordelle einkehrt. Dafür haben am Samstag im Hamburger Szene-Viertel St. Pauli nach Polizeiangaben rund 400 Menschen demonstriert.

Gerichte müssen entscheiden

11.07.2020, Hamburg: An dem Fenster eines Bordells in der Herbertstraße hängen Transparente mit den Aufschriften «Gute Steuerzahler, mehr auch nicht», «Wir sind Steuerzahler, nun werden wir hängengelassen» und «Der Staat fickt uns und zahlt nichts!».
Prostituierte fordern Öffnung der Bordelle
© dpa, Markus Scholz, blo

Als der Lockdown beschlossen wurde, ging auch das horizontale Gewerbe komplett in die Knie. Seit Ausbruch der Pandemie konnten die Prostituierten kein Geld mehr verdienen. Um auf ihre wirtschaftliche Not aufmerksam zu machen, trafen sich nun Hunderte in der Hamburger Herbertstraße.

Eine der Betroffenen ist eine Prostituierte aus Neubrandenburg, die als Letizia Falkenberg ihre Dienste als Sexarbeiterin anbietet. Das Verwaltungsgericht in Schwerin entschied vor wenigen Tagen, dass sie auch in Corona-Zeiten ihrer Tätigkeit als Escort-Dame nachgehen kann. "Wenn andere körpernahe Dienstleistungen wie Massage- und Tattoo-Studios wieder geöffnet haben dürfen, dann ist das auch nur recht und billig so", findet Letizia. Da das Gesundheitsministerium gegen den Schweriner Urteilsspruch Einspruch eingelegt hatte, geht die Sache nun ans Oberverwaltungsgericht in Greifswald.

„Wir sind Hygieneprofis“

11.07.2020, Hamburg: Eine Prostituierte hält in der Herbertstraße ein Schild mit der Aufschrift «Der Staat fickt uns, aber er zahlt nicht». Sie demonstriert mit anderen Frauen für die Öffnung der Bordelle auf St. Pauli. Diese sind zur Eindämmung der
Eine Prostituierte hält in der Herbertstraße ein Schild mit der Aufschrift "Der Staat fickt uns, aber er zahlt nicht".
© dpa, Markus Scholz, blo

Um den Betroffenen die Arbeit in der Illegalität zu ersparen, haben Hurenverbände längst Konzepte zum sicheren Arbeiten vorgelegt. Die Geduld der Sexarbeiterinnen schwinde, betonten die Demonstrierenden. Immerhin sei Prostitution in der Schweiz seit rund vier Wochen wieder erlaubt – bisher ohne Corona-Fälle im Zusammenhang mit Bordell-Besuchen.

Statt lauter Sprechchöre vermittelten die Teilnehmerinnen ihre Forderungen mittels eines Geigenkonzertes und vieler Transparente. Ihre klaren Botschaften: "Wir sind Hygieneprofis", "Sexarbeit darf nicht durch Corona in die Illegalität abrutschen" und "Hört auf wegzuschauen – uns gibt es auch". Der Ärger darüber, dass ihnen offenbar nicht zugetraut wird, Hygieneauflagen einzuhalten, war groß: "Fürs Steuernzahlen sind wir gut, für den Hygieneplan zu dumm in euren Augen", hieß es auf einem der Plakate.

Bislang gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes hatten sich bis Ende 2018 rund 32.800 Menschen offiziell angemeldet.