Verteidigungsministerin stellt "Schnupperkurs" vor

„Dein Jahr für Deutschland“: Das soll der neue Bundeswehr-Freiwilligendienst bringen

Alles hört auf sein Kommando: Freiwillig zum Bund
© dpa, Timo Lindemann

23. Juli 2020 - 12:35 Uhr

Neuer Schnupperdienst bei der Bundeswehr

Ohne Wehrpflicht mehr Leute in den Dienst der Bundeswehr bringen – dafür geht die Truppe, mit der Bundesverteidigungsministerin vorne weg, einen neuen Weg. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer führt ein freiwilliges Dienstjahr ein. Dabei bietet die Truppe schon einen Freiwilligendienst, der fast zwei Jahre dauern kann. Bei so viel Militär-Freiwilligkeit werden die Sozialverbände unruhig, denn sie sehen Freiwillige besser bezahlende Konkurrenz. Doch was soll der neue Dienst bringen?

Die Truppe ausprobieren - ohne Auslandseinsätze

Der neue Dienst startet im April 2021 und läuft unter dem Motto "Dein Jahr für Deutschland". Der Dienst ist zweigeteilt: Zunächst sind sechs Monate militärische Ausbildung vorgesehen. In den anschließenden sechs Jahren sollen insgesamt weitere sechs Monate Reservedienst in der Heimatregion der Freiwilligen folgen. Die Verteidigungsministerin sieht diese Soldaten auf Zeit auch als Reserve für Krisenfälle wie etwa die Corona-Pandemie. Auslandseinsätze sind ausgeschlossen.

Der bereits bestehende Freiwilligendienst beim Bund dauert sieben bis 23 Monate und soll vor allem der Rekrutierung von Zeit- und Berufssoldaten dienen, ein offizieller "Schnupperkurs". Und dann können sich Bewerber natürlich direkt für eine berufliche Karriere in der Armee bewerben. Die Auswahl ist also stattlich!

Woher rührt das neue Angebot - neben den bestehenden?

Zum einen fehlt der Bundeswehr Personal. Zum anderen haben rechtsextremistische Vorfälle die Truppe immer wieder in die Schlagzeilen gebracht. Sollte man nicht die 2011 abgeschaffte Wehrpflicht wieder einführen? Das hat die neue Wehrbeauftragte Eva Högl, SPD, vorgeschlagen.

Der Grundgedanke ist schlicht: Wieder mehr Männer und Frauen zum Bund führen und nicht nur zweifelhafte Waffenfreaks mit Rechtsdrall. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will keine Wehrpflicht und kontert nun mit dem neuen Freiwilligendienst. Und dann gibt es immer wieder Vorstöße, ein allgemeines Dienstjahr verpflichtend für alle einzuführen – dem wiederum AKK nicht abgeneigt gegenüber ist, wie sie bei der Pressekonferenz zu "Dein Jahr für Deutschland" betonte.

Die Sozialverbände stört die Konkurrenz

Sozialverbände wie der Deutsche Caritasverband und der Paritätische Wohlfahrtsverband sind über den neuen Dienst nicht glücklich. Auch sie bieten freiwillige Mitarbeit an. Das "Deutschlandjahr" ist eine Konkurrenz für sie. Nicht nur hinsichtlich des Personals.

Es sind auch finanzielle Gründe: die Freiwilligen beim Bund verdienen mehr, Bahntickets erhalten sie umsonst. Allerdings startet der Bundeswehrdienst mit einem Personal-Limit und beginnt mit 1.000 Stellen.

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