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Weihnachtsmärkte und Karneval wegen Corona verbieten?

Menschen dicht an dicht - diese Bilder wird es im kommenden Jahr wohl nicht geben.
Menschen dicht an dicht - diese Bilder wird es im kommenden Jahr wohl nicht geben.
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19. August 2020 - 17:31 Uhr

Diskussion um schärfere Corona-Maßnahmen nimmt Fahrt auf

Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, den Karneval im kommenden Jahr abzusagen, hat für mächtig Wirbel gesorgt. Doch kann der Minister Karneval eigentlich verbieten? Und was halten Sie von weiteren Verschärfungen? Stimmen Sie ab!

Verantwortung liegt eigentlich bei Ländern und Städten

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, hält Karneval momentan für nicht durchführbar.
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Karneval könne er sich mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Mit diesen Worten hat Jens Spahn für Aufregung gesorgt. Als ehemaliger Kinderprinz wisse er aber, wie wichtig der Karneval für Millionen Deutsche sei. Narrenfreiheit hat Spahn in dieser Entscheidung aber nicht – den Karneval kann er gar nicht verbieten. Die Verantwortung für solche Veranstaltungen liegt nämlich bei den Bundesländern. Sie entscheiden, unter welchen Voraussetzungen Großveranstaltungen stattfinden dürfen und legen beispielsweise Obergrenzen für die Teilnehmerzahl fest.

Rückendeckung für seinen Vorstoß dürfte Spahn aber von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommen. Sie hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt: "Man muss die Zügel anziehen, um bei Corona nicht in ein Desaster reinzulaufen."

Karnevalshochburgen besonders betroffen

Gerade die als Karnevalshochburgen bekannten Bundesländer hatten in den vergangenen Wochen besonders viele Neuinfektionen. Dazu zählen neben NRW und Baden-Württemberg auch Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern. In den letzten sieben Tagen wurden alleine in diesen Ländern 79 Prozent aller Fälle in Deutschland registriert. Städte wie Bornheim oder Dormagen haben Karnevalsveranstaltungen sogar schon selbst abgesagt, auch Grevenbroich hatte sich bereits Mitte Juli gegen den Sitzungskarneval entschieden.

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Viele Karnevalisten stellen sich gegen Spahn

Den meisten Karnevalsverbänden geht Spahn mit seinem Vorschlag viel zu weit. Vor allem sei es jetzt zu früh, eine Entscheidung zu treffen. "Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll", sagt ein Sprecher des Kölner Karnevals. In Düsseldorf sieht man es ähnlich. Eine pauschale Absage sei unverantwortlich. Es sei nicht klar, was genau Spahn meine – ob Straßenkarneval, Sitzungen oder Rosenmontagszüge.

Kleinere Feiern doch möglich?

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Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees, kann sich zumindest kleinere Veranstaltung mit Hygiene-Konzept vorstellen.
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Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, gibt die Hoffnung noch nicht auf. Karneval in Sälen, Kindertagesstätten oder kleineren Einrichtungen könne er sich mit einem Hygienekonzept sehr wohl vorstellen. Kneipenkarneval sehe er im kommenden Jahr aber nicht als realistisch. Doch auch eine Feier in einem Saal kann gefährlich werden: Es war die Karnevalssitzung im nordrhein-westfälischen Heinsberg, die als der erste große Corona-Ausbruch in Deutschland gilt. Etliche der insgesamt rund 300 Gäste steckten sich dort mit dem Virus an – wochenlang galt der Kreis Heinsberg als besonders betroffenes Risikogebiet.

Karneval hat schon viele Krisen überstanden

Eine Absage der nächsten Session wäre aber nicht das Ende des Karnevals. In seiner jahrhundertealten Geschichte hat der Karneval schon einige Krisen überstanden. Nur ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs feierten die Menschen im kleineren Rahmen, wenige Jahre später gab es den ersten Rosenmontagszug. Aus den ausgebrannten Fensterhöhlen der Ruinen winkten die Menschen den Wagen und Narren auf der Straße zu. Und auch 1991 fiel Karneval in vielen Städten aus. Während der Zweite Golfkrieg im Nahen Osten tobt, ist den Karnevalisten nicht nach Feiern zumute.