Debatte um Integration und Frauenbild der Flüchtlinge: Das müssen Sie jetzt wissen

Sex-Verbrechen von Freiburg und Bochum erschüttern Deutschland

Deutschland debattiert über die Sex-Verbrechen von Freiburg und Bochum: In beiden Fällen sind die dringend Tatverdächtigen Flüchtlinge. Das heizt die Diskussion über die Integration der Migranten und ihr Frauenbild an. Viele Menschen sind verunsichert und verängstigt. Mittlerweile werden viele Debatten nicht mehr mit Fakten geführt, sondern mit dem eigenen Bauchgefühl. Doch warum ist das eigentlich so? Die Antworten auf die größten Fragen.

Warum ist das Unsicherheitsgefühl jetzt besonders groß?
"Wir haben eine ganz ähnliche Debatte in den Sechzigern gehabt, als die sogenannten Gastarbeiter da waren. Es gab eine Debatte über die Bedrohung, die von ihnen ausging und natürlich gab es auch da einige Gewalttaten", erklärt Prof. Wolfgang Kaschuba vom
Institut für Migrationsforschung. Heute ist die Situation ähnlich. Mitten in die Diskussion um den 17-jährigen afghanischen Flüchtling, der eine Studentin in Freiburg ermordet haben soll, platzt die Verhaftung eines weiteren Flüchtlings. Ein irakischer Familienvater soll für Sexual-Verbrechen an zwei Studentinnen im Bochumer Uni-Viertel verantwortlich sein. Das führt zu einer schweren Belastung für unser Sicherheitsgefühl. Während die Hetze gegen Asylbewerber in den sozialen Medien grassiert, zeigen Kriminalstatistiken, dass von Flüchtlingen keine größere Gefahr ausgeht, als von Deutschen. Das führt zur nächsten Frage:

​Warum wird unzulässig verallgemeinert?​
"Wir reden im Moment ganz viel über Flüchtlinge und wir reden manchmal auch negativ über sie", erklärt Sozialpsychologe Professor Ulrich Wagner. "Wir haben einen Verdacht, dass die was anstellen könnten. Dann kommt ein einzelnes Ereignis, das massiv durch die Medien geht. Das bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass Geflüchtete ganz besonders gefährlich sind."

Warum scheint die Veränderung in der Gesellschaft vielen bedrohlich?
"Wir haben mehr junge Menschen und besonders mehr junge Männer unter uns", stellt Professor Thomas Bliesener vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.fest. "Das ist die Hauptgruppe derjenigen, die die Straftaten begehen. Und wenn wir mehr junge Männer haben, haben wir auch mehr Straftaten."

Haben die aus muslimischen Ländern stammenden Männer ein falsches Frauenbild?
Experten sind sich einig, dass es für viele Flüchtlinge eine Art Kulturschock ist, wenn sie sehen, wie offen unsere Gesellschaft ist. Junge Männer kommen aus Kulturkreisen, in denen sich Frauen verschleiern und unterdrückt werden. Ihr Frauenbild unseren Kulturkreis anzupassen, fällt ihnen unglaublich schwer. Aydan Özoguz (SPD), Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration fordert: Flüchtlingen muss klargemacht werden, wie der Umgang zwischen Männern und Frauen in Deutschland funktioniert - Frauen und Männer haben in Deutschland die gleichen Rechte.