Nach Kritik an Grünen-Aussage

Ist das Einfamilienhaus noch zu retten?

Ein Bauplan eines Architekten fuer den Bau eines neuen Wohnhauses. Symbolfoto fuer Finanzierung und Planung eines neuen Hauses, Fachwerkhaus, McPHOTO / BBO *** A construction plan of an architect for the construction of a new residential house Symbo
Ein Einfamilienhaus in der Großstadt kann sich kaum noch jemand leisten.
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Nach Kritik an Grünen-Interview: Einfamilienhäuser ohne Zukunft?

Die Grünen mussten heftige Kritik für ein angebliches Einfamilienhaus-Verbot einstecken. Die Partei wolle den Neubau von Einfamilienhäusern pauschal verbieten, hieß es nach einem „Spiegel“-Interview von Fraktionschef Anton Hofreiter. „Die Behauptungen sind falsch“, sagte ein Fraktionssprecher dazu. „Die eigenen vier Wände sind für viele Menschen wichtig – dazu gehört auch das Einfamilienhaus. Das wird es auch in Zukunft geben.“ Klare Ansage! Aber: Diese Art zu wohnen kostet viel Geld und viel Platz – gerade in den Großstädten. Ist das Einfamilienhaus in Zeiten von Wohnraummangel überhaupt noch ein Modell mit Zukunft?

Warum fehlen in Deutschlands Städten Wohnungen?

Darauf geben fast alle Fachleute die gleiche Antwort: Es ist über Jahre zu wenig gebaut worden. Seit Ende der 1990er Jahre gewinnen die deutschen Großstädte Einwohner, allein von 2013 bis 2018 waren es nach Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung rund 1,1 Millionen zusätzliche Stadtbewohner.

Der Wohnungsbau jedoch lag lange danieder und nahm erst Mitte des vergangenen Jahrzehnts wieder an Fahrt auf. In den 1980er Jahren hatte der Bund die Gemeinnützigkeit des Wohnungsbaus abgeschafft, was die Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau massiv verschlechterte. Seither ist die Zahl der ehedem vier Millionen Sozialwohnungen um etwa drei Viertel geschrumpft.

Verdrängen Einfamilienhäuser Mietwohnungen?

„Das Grundstück kann man nur einmal bebauen“, sagt Stephan Kippes, der Marktforscher des Immobilienverbands IVD Süd in München. „Die Antwort sollte schon eine gewisse Nachverdichtung sein“ - also Doppel- oder Reihenhäuser anstelle freistehender Einfamilienhäuser. Von diesen werden in den Großstädten jedoch seit Jahren ohnehin nur noch sehr wenige gebaut – zu teuer für die meisten Menschen.

In München und vielen anderen Großstädten werden Einfamilienhäuser sehr häufig von Baufirmen gekauft, die nach dem Abriss des bestehenden Gebäudes Doppelhaushälften, Dreispanner oder Reihenhäuser auf den Grundstücken bauen.

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Nicht die großen Städte, sondern deren Umland ist schon seit Jahren begehrt. Dorthin ziehen besonders viele Menschen. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend in der Corona-Krise, in der viele nicht mehr jeden Tag ins Büro pendeln, noch verstärken wird - zumal die neue Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsorts sich auch nach dem Ende der Pandemie ein Stück weit erhalten dürfte.

Anton Hofreiter war im Interview mit dem „Spiegel“ nach einem Beschluss eines Hamburger Bezirksamts gefragt worden, das keine Einfamilienhäuser in die Bebauungspläne aufgenommen habe. Er begründete diese Entscheidung mit der „dramatischen Wohnungsnot“ in der Gegend. Der Bezirk habe entschieden, Wohnraum für viele statt für wenige zu schaffen. Zugleich stellte Hofreiter klar: „Natürlich wollen die Grünen nicht die eigenen vier Wände verbieten.“

Quelle: DPA/ RTL.de