Debatte nach Tod von Thaiboxer (13): Armut treibt Kinder in den gefährlichen Sport

20. November 2018 - 16:39 Uhr

Suche nach einem Ausweg aus der Armut

Boxer wie die Brüder Wladimir und Vitali Klitschko sind in der Boxszene eher die Ausnahme. Die allerwenigsten haben studiert und einen Doktortitel. Cassius Clay, der sich später Muhamed Ali nannte, zum Beispiel kam aus ärmlichen Verhältnissen, und landete nicht im Boxring, weil er das so geplant hatte. Er wurde hineingetrieben auf der Suche nach einem Ausweg aus seinem Leben in Armut. Der Legende nach begann er mit dem Boxen, weil er wütend über den Diebstahl seines Fahrrades war. Es war ein Ventil. Es war sein Weg nach oben. Was es ihn gekostet hat, ist bekannt: Parkinson machte ihn zu einem Schatten seiner selbst.

Kein Boxen, keine Schule

Muay Thai Kampf zwischen zwei Jugendlichen
Muay Thai Kampf zwischen zwei Jugendlichen (Archivbild).
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So ähnlich verhält es sich auch mit dem Nachwuchs beim Thaiboxen. In der letzten Woche wurde der Fall des 13-jährigen Anucha Tasako bekannt, der bei einem Kampf ums Leben kam. Er war nach einem Treffer seines gleichaltrigen Gegners auf den Boden aufgeschlagen und hat sich dabei eine Hirnblutung zugezogen.

Anuchas Großmutter Subin Tasako fasst das Drama, das diesen Fall umgibt in wenigen Sätzen zusammen: "Ich sagte ihm, dass er mit dem Boxen aufhören sollte. Er sagte: 'Oma, wenn ich aufhöre, was kann ich sonst tun? Ich bin jung. Ich kann nicht arbeiten. Wenn ich mit dem Boxen aufhöre, wie könnte ich dann Geld verdienen, um die Schule zu bezahlen oder um dich zu unterstützen?' Das hat er gesagt."

"Wir können nur Boxen. Dies ist unsere Option"

Junger Muay Thai Kämpfer zwischen den Runden in Ringecke
Junger Muay Thai Kämpfer zwischen den Runden in der Ringecke: "Wir können nur Boxen. Dies ist unsere Option" (Archivbild).
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Muay Thai, Thaiboxen, ist der einzige Weg, der Kindern wie Anucha bleibt. Zum einen, um überhaupt zu überleben, um Geld zu verdienen. Zum andern könnte sich ein Weg eröffnen, um dem Elend zu entkommen - wenn ein Kämpfer gut genug ist, wenn er genügend Geld macht. Der Betreuer eines anderen Kinderboxers spricht es deutlich aus. Seine Aussage verdeutlicht das Problem ebenso wie die Sätze von Anuchas Großmutter: "Der wirtschaftliche Hintergrund jeder Familie ist anders. Menschen mit Geld würden ihre Kinder zum Golfen, Tennis, Schwimmen oder Schießen schicken. Aber arme Leute können das nicht. Wir können nur Boxen. Dies ist unsere Option." Eine gefährliche Option.