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Dealer geben Corona-Rabatt: Lagebericht zur Drogenkriminalität

Lagebericht zur Drogenkriminalität vorgestellt

Keine Drogen-Knappheit wegen Corona

 Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes BKA, Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: Lagebericht Drogenkriminalität *** Holger Münch, President of the Federal Criminal Police Office BKA , Daniela Ludwig, Federal Government Commissioner for Drugs, Germany, Berlin, Federal Press Conference, Topic
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Deutschla
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Von Laura Koch

Auch in Corona-Zeiten wird in Deutschland nicht weniger geschnupft, geraucht, gespritzt oder durch die Nase gezogen: Weder der Konsum noch der Handel mit illegalen Drogen ist in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Mehr denn je werden die Rauschmittel dabei auf Social Media-Plattformen, wie Snapchat oder Instagram, aber auch im Darknet angeboten. Verschickt werden die Ecstasypillen, das Gras oder Kokain dann oft per Post.

Das geht aus dem Lagebericht zur Drogenkriminalität vor, den BKA-Chef Holger Münch und Daniela Ludwig (CSU), der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, nun vorgestellt haben.

Eric Stehfest: "Es gibt immer mehr Drogen-Küchen in Deutschland"

Wie leicht es tatsächlich in Deutschland ist, an harte Drogen zu gelangen, erzählt uns Eric Stehfest. Der ehemalige GZSZ-Schauspieler hat jahrelang Crystal genommen und weiß, wie schnell der Spaß zum Albtraum wird. Er weiß auch, dass viele Jugendliche mit Drogen schlimme Erlebnisse vergessen wollen. Mehr dazu im Video.

Eric Stehfest: "Es gibt immer mehr Küchen in Deutschland" Nachfrage nach Rauschgift steigt in Deutschland
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Dealer haben funktionierende Logistikketten

Seit neun Jahren steigt in Deutschland die Zahl der Drogendelikte. Das läge vor allem daran, dass mehr konsumiert werde, sagte BKA-Chef Münch. Allen voran steht Kokain, dessen Straftaten durch Konsum und Handel 2019 über 12 Prozent gestiegen ist. Insgesamt haben die deutschen Ermittler 10 Tonnen Koks sichergestellt, 2017 waren es noch 8 Tonnen. Ein Frachter aus Urugay wurde vom Zoll im Juli 2019 routinemäßig kontrolliert und zwischen Sojabohnen waren Sporttaschen mit über 4.000 Kokainpaketen versteckt.

Selbst in Corona-Zeiten funktioniert die Logistikkette im Untergrund nahezu perfekt: Aus Südamerika kommt das Koks per Schiff an die großen Häfen in Hamburg und Bremerhaven und wird per LKWs oder im Frachtraum von Flugzeugen verteilt. Lediglich das Schmuggeln durch Kuriere im Flugzeug wäre durch Corona eingeschränkt, so Münch. „Das sind betriebsähnliche Strukturen“, sagte er. Dabei ist Koks, laut Bericht, längst keine Schickimicki-Droge mehr und wird auch immer mehr von Jugendlichen geschnupft.

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Auch Dealer geben Corona-Rabatt

 Symbolfoto Drogen Kokain *** Symbol Photo Drugs Cocaine xJKx
Das BKA hat sich 16 Rauschgift-Anbieter im Darknet angesehen und festgestellt, dass seit des Lockdowns deren Angebot um 30 Prozent gestiegen ist.
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Dabei sind seit etwa zwei Jahren Social Media-Plattformen, wie Instagram und Telegram, beliebte Handelsplätze. So funktioniert seit Jahren auch das „Koks-Taxi“ in Berlin, das bei Bedarf illegale Drogen gegen Bargeld mit Autos vor die Haustür bringt. Einfach Nachricht in Messenger tippen und schon beginnt der Rausch. Da aber nicht überall Berlin ist, steigt auch der Vertrieb im sogenannten „Darknet“, einem versteckten Teil des Internets.

Das BKA habe sich 16 Rauschgift-Anbieter im Darknet angesehen und festgestellt, dass seit des Lockdowns deren Angebot um 30 Prozent gestiegen sei, sagte Münch. Dabei hätten die Händler, wie Einzelhändler von legalen Gütern auch, ihre Preise der Krise angepasst – sprich, die illegalen Drogen sind billiger geworden.

Im vergangenen Monat ging der Prozess gegen die illegalen Anbieter „Chemical Revolution“ in Gießen los. Sieben Angeklagte sollen die Betäubungsmittel in den Niederlanden beschafft, deutschlandweit an den verschiedensten Orten gelagert und weltweit an Kunden verschickt haben. Bezahlt wurden die Drogenhändler mit Bitcoins. So sollen sie zwei Millionen Euro verdient haben. „Trotz Anonymisierung, die im Darknet greift, haben wir Methoden entwickelt, die die Identifizierung dieser Täter ermöglichen und wir werden diese illegalen Handelswege auch weiter im Fokus haben“, sagte BKA-Chef Münch. Genau wie „Chemical Revolution“ verschickten auch andere Drogendealer zunehmend ihre Ware per Post.

Immer mehr Drogenlabore in Deutschland

Dabei gibt es auch immer mehr Drogenlabore in Deutschland: 31 haben die Ermittler vergangenes Jahr hochgenommen. Das sind 63 Prozent mehr als 2018. Vor allem seien sie in Nordrhein-Westfalen zu finden, wo auch zunehmend Chemikalien zur Herstellung synthetischer Drogen in den Niederlanden gelagert werden. Auch der Heroin-Handel ist leicht angestiegen. Das sei aber jedes Jahr schwankend, so Münch. Die beliebteste Droge der Deutschen ist laut Bericht nach wie vor Gras.

Rückgang bei Crystal Meth Heroin Gras

Einen Erfolg sieht Daniela Ludwig (CSU), die Drogenbeauftragten der Bundesregierung, jedoch in Sachen Crystal Meth: Die Straftaten im Zusammenhang mit der stark süchtig machenden Droge sieht sie in erfolgreicher Präventionsarbeit. So sei das Thema mehr an Schulen angesprochen worden und abhängige Mütter behandelt worden. Der „Trend“ Kokain müsse ähnlich angepackt werden: „Wir werden bei der Prävention noch eine Schippe drauflegen“, sagte Ludwig.

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