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Datenskandal: Mark Zuckerberg weicht harten Fragen im EU-Parlament aus – Sicherheitsausgaben sollen massiv erhöht werden

Mark Zuckerberg: Anhörung nach Cambridge-Analytics-Datenskandal
Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss sich erklären: Im EU-Parlament in Brüssel stellte er sich den Fragen der Parlamentarier © REUTERS, REUTERS TV, RSS/DAM

Tech-Riese ganz klein

Diesen Termin hätte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerne erspart: Am frühen Dienstagabend stellte sich er sich in Brüssel den Fragen der EU-Parlamentarier zum Datenskandal – und wurde dabei hart rangenommen. Zuckerberg entschuldigte sich erneut für den Cambridge-Analytica-Vorfall und kündigte massive Sicherheitsinvestitionen an. Vielen unbequemen Fragen wich er aber aus.

Frageformat kommt Zuckerberg zugute

Mark Zuckerberg wusste, dass dieses Treffen wichtig war: Er muss das Vertrauen von Millionen Nutzern auf dem europäischen Markt zurückgewinnen. Bei der live im Internet übertragenen Runde unter Leitung von Parlamentspräsident Antonio Tajani entschuldigte sich der Facebook-Gründer und -Chef für die Vorkommnisse im Cambridge-Analytica-Datenskandal. Facebook habe das Ausmaß seiner Verantwortung unter anderem im Kampf gegen den Missbrauch von Nutzer-Informationen durch App-Entwickler nicht erkannt. "Das war ein Fehler und tut mir leid", sagte er.

Beim Treffen mit den Fraktionsspitzen des Europaparlaments kam Zuckerberg das Format der sogenannten 'Conference of Presidents' zugute: Reihum stellten die Parlamentarier dabei ihre Fragen, anschließend antwortete der 34-Jährige gesammelt in einem Statement. Auf diese Weise konnte er es vermeiden, besonders unbequeme Fragen zu beantworten. Zum Unmut der Fraktionsvorsitzenden gingen manche der eingereichten Fragen dabei komplett unter. Zuckerberg kündigte an, diese Fragen noch nachträglich zu beantworten.

Technologie-Innovator oder "Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat"?

Facebook-Chef äußert sich zu Fragen von EU-Parlamentariern
Mark Zuckerberg im Blickpunkt: Mehr als 40 Fragen stellten die EU-Fraktionsvorsitzenden ihm - nicht alle beantwortete er © REUTERS, REUTERS TV, RSS/DAM

Einige Fraktionsvorsitzende lobten zwar Zuckerbergs persönliches Erscheinen. Sie merkten aber auch an, dass seine wiederholten Entschuldigungen nicht mehr ausreichten. Zuckerberg müsse handeln, um gegen die Gefahren durch Fake-News und Wahlbeeinflussung anzukämpfen. Besorgniserregend sei außerdem Facebooks Stellung als Quasi-Monopol. Besonders eindrücklich wandte sich Guy Verhofstadt, Fraktionsvorsitzender der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, an den Tech-Riesen: Dieser müsse sich jetzt entscheiden, ob er sich zwischen Technologie-Innovatoren wie Steve Jobs und Bill Gates einreihen oder als "ein Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat" in die Geschichte eingehen wolle.

Besonders entspannt wirkte der Chef des weltweit nutzerstärksten sozialen Netzwerkes während der Parlamentsrunde nicht unbedingt. Höflich bedankte er sich zu Anfang der Diskussion für die Einladung. In einer einleitenden Ansprache räumte er Fehler in der Vergangenheit ein, die zur Datenaffäre der Firma Cambridge Analytica geführt haben. Die Sicherheit von Userdaten sei für das Unternehmen jedoch höchste Priorität und würde über jeglichen Gewinnbestrebungen stehen. Das Unternehmen würde daher die Anzahl des für Nutzersicherheit eingesetzten Personals auf 20.000 Mitarbeiter aufstocken.

Auch wenn Zuckerberg die große Verbundenheit mit Europa betonte – allzu bald scheint er sich keine weitere Vorsprache vor dem EU-Parlament zu wünschen. Denn nochmals werden die Parlamentarier ihn wohl nicht so glimpflich davonkommen lassen.

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