14. Juni 2019 - 15:50 Uhr

Rabattcodes auf der einen und Datenschutz auf der anderen Seite

Welche Gummibärchen kaufen Sie so ein? Fruchtgummis, Apfelringe, Colafläschchen oder doch lieber den Party-Mix? Die neue App Lidl Plus weiß das bald – und noch vieles mehr. Lidl weiß dann genau, welche Tomaten Sie kaufen, welchen Käse, Schinken, welches Trinken, Shampoo, Müsli. Eben alles, was man in der Filiale kaufen kann. Denn die App wertet das Kaufverhalten der Lidl-Kunden aus. Der Discounter verspricht nur Vorteile für den Konsumenten. Der mangelnde Datenschutz wird unter den Tisch gekehrt.

Was kann die Lidl Plus-App?

Der Discounter wirbt damit, dass seine Kunden durch die digitale Kundenkarte von Rabatten und Vorteilen profitieren. Und wie soll das funktionieren? Die App analysiert das Kaufverhalten der Lidl-Kunden und wertet dieses aus. Also kurz gesagt: Lidl beobachtet, was Sie einkaufen und bietet Ihnen danach entsprechende Produkt-Angebote an. So kann es sein, dass es für jeden Kunden verschiedene Rabattcodes und Vorteile gibt und für den einen das Müsli mit den Rosinen weniger kostet, als für den anderen, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Auch die Berliner Morgenpost berichtet über die neue Lidl-App. Dort wird Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg wie folgt zitiert: Die Zentrale halte die auf Personen bezogenen, individualisierten Preise, die auf das Einkaufsverhalten abgestimmt sind.

Ein Pressesprecher von Lidl sagt hingegen, dass jeder App-Nutzer die gleichen Angebote erhalte und keine personenbezogene Datenauswertungen stattfinde.

Beim ersten App-Download erhält jeder Kunde einen "Fünf-Euro-Willkommenscoupon" – für Lidl-Verhältnisse ziemlich viel. Dieser kann aber erst ab einem Einkaufswert von 25 Euro eingelöst werden.

Zudem erhält der Kunde nicht nur Angebote auf Produkte aus den Filialen, sondern auch bei den Lidl-Partnern wie etwa Flixbus. Hier gibt's beispielsweise für registrierte Nutzer 10 Prozent auf Ticket-Buchungen.

Der bittere Kern hinter der süßen Schokolade

Die Big-Data-Auswertung ist nichts Neues. Auch Zara und Amazon sind schon ganz vorne mit dabei. Neu hingegen sind die damit verbundenen individuellen Kundenangebote  – und die verstärkte Auswertung des Kundenverhaltens. Lidl-Kunden werden dann quasi bei jeder Bezahlung an der Kasse gescannt: Was kauft der Kunde gerade? Dabei handelt es sich um sensible Daten, mit denen der Discounter Geld verdient.

Der Discounter macht keinen Hehl daraus, dass es ihnen dabei um eine Umsatzsteigerung geht.

In Berlin und Brandenburg geht’s los

Die Testphase startet am Donnerstag: In 250 Filialen in Berlin und Brandenburg können Kunden die App Lidl Plus nutzen. Lidl-Discounter in Österreich, Spanien, Dänemark und Polen bieten bereits die Vorteils-App an. Ab 2020 soll sie in ganz Deutschland zum Einsatz kommen.

Für die Nutzung der App benötigt das Smartphone eine Internetverbindung. Aus diesem Grund will Lidl offenbar seine Filialen mit W-LAN ausrüsten. Möglicherweise ist das einer der Gründe, wieso die App Lidl Plus noch nicht deutschlandweit gestreut wird.