Daten entschlüsselt: mutmaßliche Drogenhändler verhaftet

Ein Mann trägt Handschellen. Foto: Stefan Sauer/dpa/Illustration
Ein Mann trägt Handschellen. Foto: Stefan Sauer/dpa/Illustration
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29. November 2021 - 13:51 Uhr

Berlin (dpa/bb) - Sie sollen mehr als 1,2 Tonnen Drogen nach Deutschland eingeschmuggelt und über Zwischenhändler verkauft haben: Bei einer Razzia in Berlin und Brandenburg sind am Montag fünf Männer verhaftet worden, die als Bande agiert haben sollen, wie die Staatsanwaltschaft Berlin mitteilte. Der Straßenverkaufswert der größtenteils im Vorfeld sichergestellten Drogen liegt nach Behördenangaben bei mehr als elf Millionen Euro. Im Fokus der Durchsuchungen standen Barber- und Handyshops in Berlin, wie eine Behördensprecherin sagte.

Auf die Spur gekommen sind die Ermittler den Verdächtigen im Alter von 31 bis 41 Jahren demnach durch die Entschlüsselung von Daten des Messengerdienstes Encrochat. Die verhafteten Männer stehen im Verdacht, seit Ende 2019 über 1,2 Tonnen Cannabisprodukte, 11 Kilogramm Kokain sowie 20.000 Ecstasy-Tabletten aus Spanien und den Niederlanden nach Deutschland eingeschmuggelt und damit gehandelt zu haben.

Das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg habe im Auftrag der Staatsanwaltschaft in den frühen Morgenstunden an 15 Orten durchsucht und die Haftbefehle vollstreckt, hieß es. Zwei Objekte davon waren in Brandenburg. Die rund 130 Einsatzkräfte des Zolls seien von der Landespolizei Berlin und einem Spezialeinsatzkommando unterstützt worden. Auch zwei Spürhunde des Hauptzollamtes Potsdam seien beteiligt gewesen.

Zum wiederholten Mal sind die Berliner Ermittler damit auf Grundlage von entschlüsselten Encrochat-Daten vorgegangen. Zunächst galt die Kryptierungssoftware als nicht entschlüsselbar und war deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Die Polizei in den Niederlanden und Frankreich hatte im Frühjahr 2020 die Software geknackt und einige Monate lang Millionen geheimer Daten abgeschöpft. Inzwischen gibt es infolgedessen bundesweit Ermittlungen und Strafverfahren.

In Berlin etwa läuft seit diesem Monat das bislang wohl größte Verfahren vor dem Landgericht unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gegen einen 42-Jährigen aus einem bekannten arabischstämmigen Clan. Die Berliner Justiz geht davon aus, dass im Zusammenhang mit den entschlüsselten Encrochat-Daten etwa 650 Verfahren mit jeweils mindestens einem Verdächtigen in nächster Zeit anstehen.

Nach dem jüngst veröffentlichten Lagebild der Polizei zur organisierten Kriminalität wurden Handys mit dem verschlüsselten Messengerdienst im vergangenen Jahr von mindestens 732 Menschen genutzt. 1,64 Millionen Datensätze aus Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos und Videos wurden diesen Handys zugeordnet. In ganz Deutschland gab es rund 4600 Encrochat-Nutzer, heißt es in dem Lagebild.

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Quelle: DPA