Zwei Mal gibt's eine 1 mit Sternchen

Das Sommerpausen-Zeugnis der Formel-1-Fahrer

Das Sommerpausen-Zeugnis der Formel-1-Fahrer
© RTL Interactive

07. August 2019 - 16:21 Uhr

RTL-Experte Danner benotet Hamilton, Vettel und Co.

Die Formel 1 macht Sommerpause. Nach drei aufregenden Rennen in Silverstone, Hockenheim und Budapest haben Teams und Fahrer Zeit, ihre Akkus aufzuladen. Weiter geht's erst Ende August mit dem Großen Preis von Belgien (die Formel 1 in Spa live erleben - gewinnen Sie 2 Tickets für den Formula 1 Johnnie Walker Belgian Grand Prix 2019). Zeit für ein 'Halbjahres-Zeugnis' - die Noten gibt's von RTL-Experte Christian Danner.

Die Titelanwärter

Lewis Hamilton (Mercedes, Platz 1 in der Fahrer-WM)

Acht Siege, vier Poles, 62 Punkte Vorsprung auf den ersten 'Verfolger' - Formel-1-König Lewis Hamilton rast seinem sechsten WM-Titel entgegegen. Einzig beim Chaos-GP in Hockenheim leistete sich der Brite einen Aussetzer, ansonsten lieferte Hamilton wie gewohnt Topleistungen am Fließband. "Der Lewis wächst praktisch über sich hinaus. Durch seinen eigenen Erfolg, natürlich auch durch sein Auto und sein Team, ist er praktisch in ganz eigene Sphären enteilt", urteilt RTL-Experte Danner.

Note 1 mit Sternchen

Valtteri Bottas (Mercedes, Platz 2 in der Fahrer-WM)

Der Finne hat im Vergleich zur Vorsaison "deutlich zugelegt", so Danner. Zwei Siege und vier Poles gegen Quali-Gott Hamilton untermauern die Aussage. Aber: "Mit Hamilton, der in seinem eigenen Universum unterwegs ist, hat er natürlich seine liebe Müh und Not", sagt der RTL-Experte. Und: "In den kritischen Momenten hat er entweder Pech oder er macht Fehler." Wie zuletzt in Ungarn als ihm ein früher Crash mit Ferrari-Pilot Charles Leclerc das Rennen ruinierte oder in Hockenheim, wo er Platz 2 durch einen Fahrfehler wegschmiss. Danner glaubt trotzdem, dass Bottas auch 2020 im Silberpfeil sitzt: "Die wissen bei Mercedes schon wie gut der ist."

Note 1-2

Max Verstappen (Red Bull, Platz 3 in der Fahrer-WM)

Wer hätte das gedacht? Nicht ein Ferrari, sondern Red-Bull-Pilot Max Verstappen ist vor dem Start 'F1-Rückrunde' erster Silberpfeil-Jäger. Obwohl Red Bull zu Saisonbeginn klar unterlegen war, sammelte der Holländer fleißig Punkte, leistete sich nicht einen Schnitzer.

"Max hat kühlen Kopf behalten und volle Pulle Gas gegeben. Egal ob er gewonnen oder verloren hat. Er hat seine mentale Stabilität enorm verbessert", lobt Danner: "Auch wenn ihn ein Vettel abräumt wie in England, oder er in Ungarn das Rennen noch verliert, war's im egal. Er fährt sehr aggressiv, aber eben auch effizient. Verstappen ist der Einzige, der Hamilton mittelfristig gefährlich werden kann."

Note 1 mit Sternchen

BUDAPEST, HUNGARY - AUGUST 01: Charles Leclerc of Monaco and Ferrari and Sebastian Vettel of Germany and Ferrari talk in the Paddock during previews ahead of the F1 Grand Prix of Hungary at Hungaroring on August 01, 2019 in Budapest, Hungary. (Photo
Charles Leclerc macht Sebastian Vettel dieses Jahr ordentlich Dampf
© Getty Images, Bongarts, WTM

Sebastian Vettel (Ferrari, Platz 4 in der Fahrer-WM)

Vor Saisonstart als Superauto gehandelt, entpuppte sich Sebastian Vettels "Lina" schnell als bockiges Boliden-Weib. Die Saison des viermaligen Weltmeisters - "ein Auf und Ab", so Danner. "Am Ende ist er oft ein Opfer seines Autos, man kann halt nicht schneller fahren als es das Auto hergibt. Zum Schluss hin hat er sich gefangen und in Hockenheim und Ungarn gezeigt, was er kann. Das waren wieder zwei typische Vettel-Rennen." Im Titelrennen hat Vettel mit 94 Punkten Rückstand auf Hamilton aber praktisch keine Chance mehr.

Note 1-2

Die jungen Wilden

Charles Leclerc macht Sebastian Vettel seit dem Auftakt in Australien bei Ferrari Feuer unterm Hintern. Oft ist der junge Monegasse im Qualifying der schnellere Ferrarista, dass er in der WM hinter Vettel liegt, ist wohl seiner fehlenden Erfahrung zuzuschreiben. "Leclerc hat sein unglaubliches Talent stabilisiert. Er macht auch mal Fehler, bleibt aber immer klar im Kopf. Das wird ein ganz Besonderer, das ist jetzt schon abzusehen", adelt Danner den 21-Jährigen.

Note 1-2

In seiner Premieren-Saison 2018 überzeugte Pierre Gasly im Toro Rosso. Die Red-Bull-Bosse belohnten den Franzosen mit einem Cockpit im Seniorteam. Bisher konnte Gasly das in ihn gesetzte Vertrauen aber nicht zurückzahlen, im 'Bullen'-Duell mit Verstappen geht er regelmäßig unter. "Eine totale Enttäuschung. Der Abstand zu Verstappen ist zu groß", kritisiert Danner: "Gasly kann einem aber auch leidtun. Das Auto macht nicht, was er will und bei Red Bull tanzt alles es nur nach Verstappens Pfeife."

Note 4-5

Die Renault-Piloten

12.02.2019, Großbritannien, Oxford: Die Rennfahrer Nico Hülkenberg (l) und Daniel Ricciardo betrachten während des Saisonstarts des Renault F1 Teams 2019 im Whiteways Technical Centre den neuen Renault-Rennwagen. Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa +++
"Gefangene ihres Autos" - Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo
© dpa, Andrew Matthews

Ein stolzes Werksteam, ein beträchtliches Budget, in der Team-WM aber nur Platz 6. Bei Renault läuft's nicht, da können auch Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg wenig ändern. "Beide sind Gefangene ihres Autos", erläuert Danner: "Immer wieder lassen sie ihre Klasse aufblitzen, Ricciardo hat insgesamt etwas mehr Fortune. Dass Hülkenberg am Hockenheimring in aussichtsreicher Position rausgeflogen ist, war natürlich richtig blöd." Renault muss in der Sommerpause mächtig zulegen, damit Hülkenberg und Ricciardo glänzen können.

Note: 2-3

Die Rookies

Mit George Russell (Williams), Lando Norris (McLaren) und Alexander Albon (Toro Rosso) sind 2019 drei F1-Greenhorns dabei. "Russell kann man nicht beurteilen, der sitzt in einem hoffnungslos unterlegenen Williams", lässt Danner den Briten außen vor. Von Norris und Albon ist der 61-Jährige begeistert. "Die sind extraklasse."

Note 2

Und sonst so?

18.02.2019, Spanien, Montmelo: Alfa Romeo-Pilot Kimi Räikkönen aus Finnland steuert den neuen Formel-1-Boliden während einer Testfahrt auf der Rennstrecke Barcelona Catalunya in Montmelo. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kimi Räikkönen steuert seinen unterlegenen Alfa Romeo regelmäßig in die Punkte
© dpa, Manu Fernandez, VM lof

Insgesamt ist Danner vom Potenzial im Fahrerfeld begeistert. "Das fahrerische Niveau dieser Generation ist exorbitant hoch", so der frühere Formel-1-Pilot. "Auch die Magnussens, Grosjeans, die Sainz, das sind tolle Fahrer."

Ohne ein gutes Auto könne allerdings auch der beste Fahrer nix reißen, betont Danner. "Ein Ricciardo im Red Bull ist ein Race Winner, jetzt fährt er im Mittelfeld. Ein Kimi war bei Ferrari Podest-Kandidat, im Alfa reicht es im besten Fall zu Platz 7."

Apropos Kimi Räikkönen: Der Altmeister fährt bisher eine ganz starke Saison, Alfa-Romeo-Kollege Antonio Giovinazzi sieht gegen den 'Iceman' kein Land. "Räikkönen gegen Giovinazzi - das ist wie Verstappen gegen Gasly 'in klein'", findet Danner.