Berufswahl geht nur langsam weg von Klischees

Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe bei Jugendlichen

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14. August 2019 - 8:24 Uhr

Oft noch klassische Rollenbilder bei Berufswahl

Bei der Wahl ihres Ausbildungsberufs folgen viele Jugendliche noch klassischen Rollenbildern - langsam wollen aber immer mehr Mädchen auch vor allem bei Jungs beliebte Berufe lernen und umgekehrt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die abgeschlossenen Ausbildungsverträge beider Geschlechter für die Jahre 2016 bis 2018 ausgewertet. Die Statistik zeigt, dass die Rollenverteilung bei den beliebtesten Berufen immer noch klassisch ist.

Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe

Junge Frauen haben 2018 am häufigsten eine Ausbildung zur Bürokauffrau, zur medizinischen oder zahnmedizinischen Fachangestellten, zur Einzelhandelskauffrau oder Verkäuferin begonnen. Männliche Azubis strebten in die Autowerkstätten, wollten Elektroniker, Informatiker oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik werden.

Rollenverteilung wandelt sich langsam

Doch langsam wandelt sich die klassische Rollenverteilung bei der Berufswahl: So wollen Mädchen zum Beispiel immer öfter Fachinformatikerin werden. Zwischen 2016 und 2018 ist der Beruf in der Beliebtheitsliste bei den Mädchen von Platz 41 auf Platz 33 geklettert.

Auch der weiterhin unangefochtene Lieblingsjob bei jungen Männern, Kraftfahrzeugmechatroniker (früher Kfz-Mechaniker), ist bei den jungen Frauen in der Beliebtheit gestiegen und hat sich in der Rangliste von Platz 43 auf Platz 36 vorgeschoben.

Umgekehrte Beispiele gibt es auch: Mehr Jungen entscheiden sich dafür, zahnmedizinischer Fachangestellter zu werden (von Rang 131 auf Rang 113) oder Friseur (von Rang 41 auf 35).

Jugendliche kennen zu wenig Ausbildungsberufe

Aus Sicht des DIHK ist diese Entwicklung auch wegen des Fachkräftemangels wichtig. Die Unternehmen könnten bei der Fachkräftesicherung auf sich wandelnde Rollenbilder hoffen, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. "Die Berufsvorstellungen von Jugendlichen ändern sich zwar langsam, aber sie ändern sich."

Gebremst werde die Entwicklung aber dadurch, dass immer noch zu viele junge Männer und Frauen nur die Top 10 der Ausbildungsberufe kennen - dabei gibt es Hunderte von Ausbildungen, zwischen denen Jugendliche wählen können. Laut Dercks folgten sie aber zu oft Klischees und schränkten ihre Wahlmöglichkeiten damit ein. 

Geschlechterklischees bei Berufswahl sind veraltet

Bei der Veränderung von geschlechtsspezifischen Vorlieben für Studium und Beruf brauche man einen langen Atem, sagte ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. "Das klischeebehaftete Abstempeln von Berufen mit überkommenen Geschlechtsrollen ist Denken von gestern. Das muss immer weiter aktiv abgebaut werden." Der Sprecher verwies auf die Initiative "Klischeefrei", in der sich fast 200 Partner aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung gemeinsam für eine Berufswahl frei von Geschlechterklischees einsetzten.

Video: Frauen in Männerberufen

Wir begleiten Frauen, die sich für "klassische Männerberufe" entschieden haben und damit absolut glücklich sind. Mehr dazu im Video!

Quelle: DPA/ RTL.de