Das schwere Los der Flüchtlingskinder: "Zu Hause wird geschossen"

7. Januar 2015 - 12:53 Uhr

"Zu Hause wird geschossen"

Fast 10 Millionen Syrer sind durch den Bürgerkrieg im Land zu Flüchtlingen geworden. Ein Drittel der Menschen ist ins Ausland geflohen, viele über die Grenze in die Türkei. Dort ist die Situation der Menschen sehr schwierig, denn hier sind sie auf sich allein gestellt. Besonders hart trifft es die Kinder – viele müssen betteln, um ihre Familien zu versorgen.

Flüchtlingsmädchen bettelt zwischen Autos in Istanbul.
Ein syrisches Mädchen bettelt auf einer Straße in Istanbul: Für Flüchtlingskinder ist die Situation besonders hart.
© dpa, Sedat Suna

Eine Reportage des US-Senders CNN dokumentiert die heftigen Lebensbedingungen syrischer Flüchtlinge in der Türkei. Einige Menschen schlagen sich demnach mit Gelegenheitsarbeiten durch. Andere betteln, um zu überleben, obwohl das für sie in der Türkei verboten ist. Familien suchen Zuflucht am Rande der Gesellschaft: Eine Frau aus Kobane haust mit ihren Kinder unter einer Brücke in Istanbul. Eine Flüchtlingsfamilie aus der umkämpften Stadt Aleppo ist in einem Park in der türkischen Metropole untergekommen.

"Zu Hause wird geschossen. Sie schießen da mit Pistolen", sagt der sechsjährige Issa, der zu der Familie gehört. Sein Vater ist vor einem Jahr bei den Gefechten getötet worden. Issa sitzt auf der Straße und macht Musik mit einer Triola. Für seine Familie ist der Junge überlebenswichtig, er verdient umgerechnet bis zu acht Euro am Tag. Doch nicht nur mit Mitleid und Güte, sondern auch mit Schikane begegnen ihm die Menschen. Auch die Polizei ist Issa keine Hilfe. Beamte nehmen ihm sein Musikinstrument weg. Der Sechsjährige muss sich von seinen Tageseinnahmen ein Neues kaufen, um das Überleben seiner Familie weiter zu sichern.

Amnesty prangert Misshandlung von Flüchtlingen an

Auch ein neuer Bericht von Amnesty International prangert die erschütternde Situation in der Türkei an. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert Misshandlungen syrischer Flüchtlinge durch türkische Behörden an der Grenze. Amnesty lobte zwar die Aufnahme von 1,6 Millionen syrischen Schutzsuchenden durch die Türkei, bemängelte aber zugleich, es sei gefährlich und schwierig geworden, aus Syrien in die Türkei einzureisen.

Selbst Flüchtlinge mit gültigen Pässen würden in einigen Fällen an der Einreise gehindert, teilte die Organisation mit. Türkische Grenzbeamte hätten rund 31 Flüchtlinge mutmaßlich geschlagen und in mindestens einem Fall gefoltert. Manchmal würden Grenzbeamte auf die Syrer schießen. Zwischen Dezember 2013 und August 2014 seien dabei mindestens 17 syrische Flüchtlinge getötet worden.

Amnesty lobte, dass die Türkei 220.000 Hilfesuchende in Lagern untergebracht habe und außerdem kostenlose Krankenversorgung für alle Flüchtlinge zur Verfügung stelle. Die Lager seien jedoch voll, das Land sei mit der Krise zunehmend überfordert. Scharfe Kritik richtet die Organisation an die internationale Gemeinschaft: "Nicht weniger als beschämend" sei deren Reaktion auf die schlimmste Flüchtlingskatastrophe seit Jahrzehnten.