Entführer und Mörder von Anneli-Marie (†17) zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt

07. September 2016 - 15:01 Uhr

Landgericht Dresden urteilt: Lebenslang für kaltblütigen Mörder von Entführungsopfer Anneli-Marie R. (†17)

Vor rund einem Jahr wurde die 17 Jahre alte Schülerin Anneli-Marie R. von zwei Männern entführt. Das Ziel von Norbert K. (62) und Markus B. (40): Das schnelle Geld machen. Doch beide verloren die Nerven und ermordeten das junge Mädchen. Das Landgericht Dresden fällte nun ein hartes Urteil zu den beiden Männern.

Bei Entführer Markus B. lag eine besondere Schwere der Schuld vor

Das Landgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Die Entführer der Unternehmertochter Anneli-Marie R (†17) müssen mit jahrelangen Haftstrafen büßen. Das Gericht verurteilte Markus B. (40) und Norbert K. (62) wegen Mordes in Tateinheit mit erpresserischen Menschenraub in Todesfolge. Im Detail fielen die Strafen jedoch unterschiedlich hart aus: Der jüngere Entführer Markus B. muss lebenslang hinter Gitter, weil bei ihm eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde. Der ältere Entführer Norbert K. erhält hingegen eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren. Er hatte bei der Polizei ausgesagt und Norbert K. belastet.

Rückblick: Vor rund einem Jahr zog Anneli-Marie R. (†17) die Tür ihres Elternhauses im sächsischen Klipphausen hinter sich zu. Die Schülerin wollte mit ihrem Hund an einem Feldweg spazieren gehen. Anneli-Marie sollte nie wieder zurückkehren: Am frühen Abend kreuzten Markus B. und Norbert K. gezielt den Weg der Unternehmertochter und zerrten sie in ihr Auto. Die arbeitslosen Männer erhofften sich von der Entführung das schnelle, große Geld: 1,2 Millionen Euro forderten sie von Anneli-Maries Vater, dem erfolgreichen Bauunternehmer Uwe R, für ihre Freilassung. Während des Telefonats geben beide Männer an, dass sie das Geld via Online-Banking erhalten wollen.

Die Entführung haben Norbert K. und Markus B. offenbar nicht reiflich durchdacht: Vor Anneli-Marie zeigen sich die Männer ohne Gesichtsmasken und auch das Online-Banking birgt die große Gefahr, von der Polizei aufgespürt zu werden. Darüber hinaus scheitert die Lösegeld-Forderung schon daran, dass Online-Banking in dieser horrenden Höhe schlichtweg nicht möglich ist.

Von einer geradezu "dilettantisch geplanten" Erpressung spricht die Polizei deshalb nach Ergreifung der beiden Männer. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Norbert K. und Markus B. bereits nach einem Tag die Nerven verlieren und offenbar entschließen: Anneli-Marie muss weg. Zu groß ist ihnen das Risiko, dass die Schülerin die Polizei nach ihrer Freilassung auf ihre Spur bringt. Während einer der Männer oder beide zusammen, den Tod von Anneli-Marie beschließen, treibt deren Vater das Geld zusammen. Der Bauunternehmer ist bereit zu zahlen, wenn seine Tochter dann am Leben bleibt. Doch Norbert K. und Markus B. geht es nun längst nicht mehr ums Geld, sondern darum, ihr Verbrechen zu vertuschen.

Vor Gericht schwieg der Haupttäter Markus B.

Anneli-Prozess
Die 17 Jahre alte Schülerin Anneli-Marie R. wurde von Markus B. und Norbert K. entführt und dann ermordet.
© Anneli-Marie.com

Während des Prozesses war unklar, wer Anneli-Marie schlussendlich tötete. Waren es beide Männer gemeinsam? Oder war es Marko B. tatsächlich alleine? Oder hat Norbert K. gelogen, um sich zu entlasten und in Wahrheit aber Anneli-Maries Leben ungnädig ein Ende gesetzt? Gesprochen hat bei den Polizeibefragungen nur Norbert K. und der belastete seinen jüngeren Komplizen Markus B. schwer, indem er behauptete, dieser habe Anneli aus Angst aufzufliegen, kaltblütig ermordet. Auch die Entführung soll Markus B. angeblich geplant haben, sagt Norbert K. On er sich mit seinen Aussagen nur entlasten will oder die Wahrheit erzählt, konnte während des Prozesses nicht geklärt werden.

Gewiss ist nur, dass Anneli dann kaltschnäuzig aus dem Weg geräumt wurde. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Marko B. dem gefesselten Mädchen eine Plastiktüte über den Kopf zog. Als Anneli-Marie nicht starb, soll er ihr die Kehle mit einem Kabelbinder und Spanngurt zugeschnürt haben. Am Ende des Prozesses urteilten die Richter, dass beide Männer in Anneli-Maries grausamen Tod verstrickt sind.

Die Staatsanwaltschaft hatte verlangt, dass Markus B. eine lebenslange Haftstrafe für die Ermordung von Anneli-Marie erhält. Für Norbert K. hatte die Anklage lediglich auf Mord durch Unterlassen plädiert. Die Begründung: Norbert K. hätte die Tötung von Anneli-Marie verhindern können, schritt aber nicht ein. Ein Vorteil für Norbert K. war vor Gericht, dass er mit der Polizei gesprochen und damit zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen hatte. Auch hat Norbert K. keine polizeilichen Vorstrafen.

Der Anwalt von Markus B. protestierte, dass sein Mandant nicht die alleinige Schuld für den Mord an Anneli-Marie tragen würde. Er verlangte, dass "im Zweifel zugunsten des Angeklagten" entschieden werden müsse und forderte 12 Jahre Haft.