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Das Joshua-Profil: Roman-Autor Sebastian Fitzek im Interview

Sebastian Fitzek tritt in "Das Joshua-Profil" selbst als Inhaber einer Buchhandlung auf
Sebastian Fitzek tritt in "Das Joshua-Profil" selbst als Inhaber einer Buchhandlung auf © MG RTL D / Boris Laewen

Hochbrisantes Thema spannend verfilmt

An Karfreitag zeigen wir den Bestseller-Roman "Das Joshua-Profil" von Thriller-Autor Sebastian Fitzek. Die 105-minütige Verfilmung, frei basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage, packt ein hochbrisantes Thema an, das längst Realität ist: Verbrechen erkennen, bevor sie passieren. Im Mittelpunkt der fesselnden Geschichte steht der erfolglose Autor Max Rhode (Torben Liebrecht, "Duell der Brüder"), der, ohne selbst davon zu ahnen, in wenigen Tagen ein schreckliches Verbrechen begehen soll. Im Interview spricht Sebastian Fitzek über den Roman und die Verfilmung.

"Höchst merkwürdige Suchanfragen bei der Recherche"

Wie kamen Sie auf das Thema Predictive Policing als Grundthema für einen Thriller?

Sebastian Fitzek: "Als Autor von Psychothrillern nutzt man das Internet als Recherche-Instrument für eine Reihe von höchst merkwürdigen Suchanfragen. Wann immer ich etwa 'nicht nachweisbares Gift' oder 'Überlebenschancen nach Bauchschuss' googelte, stellte ich mir vor, wie beim BKA eine rote Lampe angeht. Ich frage mich dann schon, was wäre, wenn die nicht wüssten, dass ich Thriller-Autor bin, sondern mich für einen Serientäter halten würden? Als ich später von dem Thema Predictive Policing hörte, war die Idee geboren, dass ein Thriller-Autor versehentlich in die Fänge einer Organisation gerät, die im Prinzip etwas Gutes tun will – und zwar Verbrechen bekämpfen, bevor sie überhaupt begangen werden."

Hatten Sie beim Schreiben von "Das Joshua-Profil" bereits (Film-)Bilder im Kopf?

Sebastian Fitzek: "Ich habe immer bestimmte Szenen bildhaft im Kopf, die ich dann so gut wie möglich versuche, zu Papier zu bringen. Verfilmungen zerstören oft die Illusionen der Leser."

Machen Sie sich über so etwas auch Gedanken?

Sebastian Fitzek: "Ich kann das gut verstehen, denn als Leser ist man selbst Regisseur und Kameramann in einer Person, und wieso sollten die Bilder, die einem ein Dritter vorsetzt, besser sein als das eigene Kopfkino? Daher erwarte ich von einer Verfilmung eines Werkes auch niemals eine sklavische Übernahme. Ich finde es reizvoll, wenn der Leser ein eigenständiges Kunstwerk zu sehen bekommt, bei dem er vielleicht sogar einige Einblicke erhält, die im Roman nicht möglich waren."

Wieviel Mitspracherecht hatten Sie beim Drehbuch?

Sebastian Fitzek: "Theoretisch sehr viel, ich habe auch jede Fassung gelesen. In der Praxis aber habe ich gelernt, dass das Schreiben eines Drehbuches eine eigenständige Kunst ist, die man – wie das Spielen eines Musikinstrumentes – jahrelang erlernen muss. Mit Jan Braren habe ich hier einem absoluten Meister seines Fachs den berechtigten Vortritt gelassen."

Haben Sie eine Erwartungshaltung an den Film? Denn Film ist immer anders als Buch.

Sebastian Fitzek: "Ja, Film und Buch sind anders, aber sie gleichen sich in einem Punkt: Beides soll Leser wie Zuschauer gut und intelligent unterhalten, ihn in eine Welt entführen, die er so noch nie gesehen hat."

Wie finden Sie Torben Liebrecht in der Rolle ihres Alter Ego Max Rhode?

Sebastian Fitzek: "Ich war sehr glücklich, als ich hörte, dass er zugesagt hat. Ich finde, Torben verkörpert perfekt den erfolglosen, aber dennoch liebenswerten Charakterkopf - dem man sowohl die Rolle des mitfühlenden Familienvaters als auch des aktiven Helden abnimmt, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, wenn er in die Enge gedrängt wird."

Wie war es, in der Verfilmung ihres eigenen Buchs mit zu spielen?

Sebastian Fitzek: "Offen gestanden, hatte ich große Sorge, neben so erfahrenen und gestandenen Schauspielern wie Torben Liebrecht, Armin Rohde und den anderen als Anfänger eine doch recht lange Sprechrolle zu übernehmen. Zumal auch noch mit Jochen Alexander Freydank ein Oscargewinner die Regie führt! Aber das war gerade gut, weil die Ruhe, die die erfahrenen Profis ausstrahlten, dafür gesorgt hat, dass ich mich am Set sehr wohl fühlte."

Als nächstes verfilmen wir "Passagier 23". Sieht man Sie dann vielleicht als Kapitän wieder?

Sebastian Fitzek: "Ich fürchte, die Rolle würde mir keiner abnehmen. Aber nach diesem verregneten Sommer bin ich schön blass, vielleicht wird ja noch eine Leiche gebraucht?

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek kommt vom Radio, studierte Jura und schrieb seine Doktorarbeit im Urheberrecht. 2006 veröffentlichte er seinen ersten Psychothriller: "Die Therapie" wurde, wie alle folgenden Bücher von ihm, zum Bestseller. Seine Werke sind bisher in einer Auflage von acht Millionen erschienen und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Fitzek wird auch in England und den USA verlegt.

"Der Seelenbrecher", "Die Therapie" und "Passagier 23" sind Gegenstand mehrerer Theateradaptionen. Sebastian Fitzek wurde zwei Mal für den Glauserpreis nominiert und gewann mehrfach den Goldenen Lovelybooks-Leserpreis. Außerdem bekam er den "Hörkules" und ist Gewinner des Europäischen Preises für Kriminalliteratur 2016. Er engagiert sich als Botschafter des Deutschen Kindervereins und als Schirmherr des Vereins "Das frühgeborene Kind e.V." Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.