Das Jenke-Experiment: Betreuter Urlaub für Demenzkranke und deren Angehörige

16. September 2016 - 15:23 Uhr

Erholsamer Urlaub mit Demenzkranken? Das geht!

Urlaub mit einem Demenzkranken? Das klingt zunächst nicht nach Erholung. Doch im Gegenteil! In den letzten Jahren sind einige Urlaubs- und Entlastungsangebote entstanden, die speziell für die Bedürfnisse für Menschen mit Demenz und deren Angehörige entwickelt wurden. Jenke von Wilmsdorff hat einen Anbieter der betreuten Urlaubsangebote besucht.

"Es bedeutet nicht, dass ich versagt habe, weil ich meinen Partner alleine gelassen habe."

Vor traumhafter Kulisse direkt am Meer gelegen, sollen im Gäste-Landhaus der 'AW Kur und Erholungsgesellschaft' Demenz-Patienten wie Angehörige gleichermaßen auf ihre Kosten kommen und von der kompetenten Unterstützung und Begleitung erfahrener Alzheimer-Experten profitieren. Das simple Konzept des betreuten Urlaubsangebots: Zuwendung und psychische Stabilisierung für Demenzkranke, Entlastung sowie Beratung für den Umgang mit den Betroffenen für die Angehörigen.

Und das, obwohl gerade diese Hilfe zu Beginn des Aufenthalts meist gar nicht gewollt ist. Der Grund? Schlechtes Gewissen! Laut Andreas Frank, dem Einrichtungsleiter der 'AW Kur und Erholungsgesellschaft mbH', eine ganz natürliche Reaktion von Angehörigen. "Die Angehörigen kommen meist sehr verunsichert zu uns und brauchen bis zu zwei Tage, um sich einzuleben und Vertrauen in das Pflegepersonal aufzubauen, das sich um die demenzkranken Patienten kümmert. Es bedeutet nicht, dass Angehörige versagt haben", weiß Einrichtungsleiter Andreas Frank. Das Zaudern, im Urlaub genau das alleine zu tun, was man früher doch immer gemeinsam getan hat, fällt vielen Menschen am Anfang schwer. "Viele Angehörige sagen zu uns: 'Sie haben gut Reden, dass ich an den Strand gehen soll. In einer Stunde werden Sie mich anrufen und mir sagen, dass Sie nicht mit meinem Partner zurechtkommen'."

Doch das Konzept funktioniert! Sehen Angehörige erst, mit welcher Kompetenz und Wertschätzung den Demenzkranken in der Tagesbetreuung entgegengetreten wird, geben sie Schritt für Schritt die Kontrolle ab. Die Erholung kommt dann von ganz allein. Zudem: Neben der Möglichkeit, abzuschalten und endlich wieder Zeit für sich zu haben, profitieren Partner und Familienangehörige Demenzkranker hier auch besonders von dem Austausch mit anderen. Das gute Gefühl, mit seinen Problemen nicht alleine zu sein und die Chance, neue Sichtweisen und Lösungsvorschläge kennenzulernen, gibt den Angehörigen neue Kraft und Mut. "Durch die Angehörigengespräche findet man nicht nur Austausch sondern auch eine Informations-Weitergabe von regionalen Beratungsstellen und Hilfsangeboten", erklärt Einrichtungsleiter Andreas Frank im Gespräch mit RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff.

Im Schnitt 100 Euro kostet der betreute Aufenthalt pro Tag. Nicht wenig - aber eine Rechnung, die aufgeht! Denn die strahlenden Gesichter der Urlauber sind unbezahlbar. Außerdem werden die Kosten für die Tagespflege von der Pflegeversicherung übernommen.

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