Das große Geschäft mit der Armut: Duisburg kämpft gegen systematischen Sozialbetrug

23. März 2018 - 22:12 Uhr

Kriminelle Geschäftemacher holen die Menschen nach Deutschland

Die Stadt Duisburg kämpft seit Jahren gegen systematischem Sozialbetrug von Zuwanderern. Oft stecken kriminelle Geschäftemacher dahinter, die für die Ärmsten der Armen aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien eine Fahrt nach Deutschland organisieren – Wohnung, Arbeitsvertrag und Hilfe beim Erschleichen von Sozialleistungen inklusive.

82 Menschen in nur acht Wohnungen gemeldet

Das Problem ist schon länger bekannt. Rund 17.000 Menschen aus Bulgarien und Rumänien leben in Duisburg. Viele sind gut integriert, aber einige machen immer wieder Probleme. Den Behörden bleiben nur wenig Handlungsmöglichkeiten.

Bei einer Razzia hat die Polizei nun ein Haus kontrolliert, in dem 82 Menschen gemeldet waren, verteilt auf acht Wohnungen. "Da kann man sich ausrechnen, wie viel Wohnraum theoretisch pro Person bleibt", sagt Daniela Lesmeister von der Stadt Duisburg. Gemeinsam mit dem Jobcenter kontrollieren die Beamten, ob alle gemeldeten Personen auch wirklich in dem Haus leben, oder ob sie einfach nur Leistungen beziehen. Wegen Mängeln beim Brandschutz und der Hygiene wird das Haus nur Stunden nach der Razzia geschlossen.

Die Stadt fühlt sich im Stich gelassen

Mit solchen Einsätzen soll der Druck auf Kriminelle erhöht werden. Denn ansonsten gibt es wenig Spielraum. Sören Link, Oberbürgermeister von Duisburg, fühlt sich vor allem von der Bundesregierung im Stich gelassen. Er wünscht sich nicht nur mehr finanzielle Unterstützung, sondern auch, dass sich die Regierung dafür stark macht, dass bedürftige Menschen direkt in ihren Heimatländern Hilfe bekommen. Dann wäre die weite Reise nach Duisburg vielleicht weniger attraktiv.

Deutschland gilt immer noch als Sehnsuchtsort. In Stolipinowo in Bulgarien herrscht bedrückende Armut. Hier werben Reisebüros mit Billigflügen nach Berlin oder Dortmund. Kriminelle organisieren Fahrten nach Deutschland für alle, die genug Geld haben, um sie zu zahlen. Hilfe beim systematischen Betrug von Sozialbehörden gibt es noch dazu. "Ich habe einen Freund, der in Deutschland offiziell 500 Euro verdient. Er bekommt zusätzlich Sozialhilfe", erzählt ein Informant. Den Rest des Gehalts bekomme er schwarz ausgezahlt.