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Das Geschäft mit der Not: Flüchtlinge von Security-Mitarbeitern auf den Strich geschickt

Das Geschäft mit der Not: Flüchtlinge von Security-Mitarbeitern auf den Strich geschickt

ARCHIV - Eine Prostituierte wartet in Berlin an einer Straße auf Kundschaft (Archivfoto vom 07.05.2002). Im Prozess um einen Bordellbetreiber und zwei mutmaßliche Komplizen, die acht Frauen mit Gewalt und Drohungen zur Prostitution gezwungen haben so
Prostitution auf Berliner Straßen (Archivbild)
dpa, Tim Brakemeier

Mit Elend lässt sich Geld verdienen

Not und Elend erwecken seit jeher die niedersten Instinkte der Menschen zum Leben. Denn sobald eine gewisse Anzahl Menschen Not leidet und auf Hilfe angewiesen ist, bedarf es nicht einmal mehr einer herausragenden Machtposition, um jemanden auszunutzen oder gar auszubeuten - und gutes Geld zu verdienen. Für diese verachtenswerte Charaktereigenschaft des Menschen gibt es unzählige Beispiele.

"Je jünger, umso teurer"

Das jüngste Beispiel deckten nun Recherchen des ZDF-Magazins 'Frontal 21' auf. Demnach sollen Mitarbeiter von Berliner Sicherheitsfirmen Flüchtlinge zur Prostitution überredet haben. Laut eines Sicherheitsbeauftragten soll es in Berliner Flüchtlingsunterkünften sogar ein Zuhälter-Netzwerk geben. Sicherheitsleute, die in den Unterkünften arbeiten, werben die Flüchtlinge angeblich an und ebnen so den Weg in die Prostitution. Es werden nicht nur junge Frauen angeworben, im Gegenteil. Ein Insider berichtete gegenüber 'Frontal 21', dass männliche Sexualpartner besonders gefragt seien. Auch minderjährige. "Die sollen so alt sein, sie sollen so schön sein. Ab 16 Jahre aufwärts, je jünger umso teurer", zitiert das ZDF den Mann.

"Ich habe hier keine Chance"

Ein syrischer Flüchtling, der unerkannt bleiben will, bestätigt diese Praktiken und berichtet, wie er zur Prostitution kam. Ein Security-Mann habe ihn angesprochen, ob er Geschäfte machen wolle: "Für Sex mit einer Frau kriegst du 30 Euro, vielleicht auch 40." Die meisten seiner Kunden entpuppten sich schließlich aber als Männer. Resigniert sagt er: "Ich weiß, dass es schlimm ist, aber was soll ich tun, ich habe hier keine Chance." Das wiederum ist die Chance für diejenigen, die keine Skrupel haben, aus der Not von Menschen Kapital zu schlagen.

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Keine konkreten Hinweise

Die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Die Linke), sagte, man habe bisher keine konkreten Hinweise gehabt. Sie kündigte an: "Wenn es um Zwangsprostitution geht, werde ich immer dagegen vorgehen."

Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter seien sensibilisiert, Anzeichen für Missbrauch oder Prostitution zu erkennen. Darüber hinaus würden Flyer von Berliner Hilfe-Vereinen ausgelegt.
Zudem seien Schulungen für die Mitarbeiter vorgesehen, um derartige Gefährdungen noch gezielter erkennen zu können. "Es ist beabsichtigt, diese Schulung allen Betreibern von Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten anzubieten." Die Betreiber sollen dazu auf der nächsten Konferenz informiert werden.