Das Geschäft mit den Flüchtlingen: So werden mit Unterkünften Wucherbeträge vom Steuerzahler kassiert

Für Flüchtlingsunterkünfte zahlte die Stadt Essen horrende Mieten. (Motivbild)
© dpa, Christian Charisius

01. Februar 2017 - 17:51 Uhr

European Homecare erhielt 650 Euro Miete pro Bett

Die Unterbringung von Asylbewerbern war das kommunale Brennpunkt-Thema der Jahre 2015 und 2016. Wie Verträge der Stadt Essen mit Deutschlands größtem Betreiber für Flüchtlingsunterkünfte European Homecare (EHC) zeigen, zahlten die Kommunen für Zeltdörfer horrende Summen. Das geht aus Vertragsinhalten hervor, die der 'Bild'-Zeitung vorliegen.

So waren beispielweise in einem Vertrag von August 2015 bis November 2016 Pauschalbeträge für Flüchtlingszeltdörfer festgelegt. Die Stadt Essen zahlte demnach für jedes Bett in einer Leichtbauhalle für 350 Asylbewerber rund 650 Euro Miete. Da im Vertrag Pauschaltarife festgesetzt waren, kostete den Steuerzahler die Belegung von mehr als 250 Plätzen über 240.000 Euro im Monat.

Container für Küche, Toiletten und Wachpersonal wurden nach 'Bild'-Informationen zusätzlich abgerechnet. Für die Aufstellung von Trennwänden, Schränken und Betten erhielt European Homecare ebenfalls zusätzlich eine einmalige Ausstattungspauschale.

Deutschlands größter Flüchtlingsheim-Betreiber immer wieder in der Kritik

Das Flüchtlingsheim in Burbach wird nicht weiter von der Firma European Homecare betrieben.
Das Flüchtlingsheim in Burbach, betrieben von European Homecare, war 2014 wegen Misshandlungen von Flüchtlingen durch Sicherheitskräfte in den Schlagzeilen.
© dpa bildfunk

European Homecare betrieb in Essen zehn Zeltdörfer, in denen bis zu 4.800 Flüchtlinge untergebracht waren. Die letzte Unterkunft wurde im November 2016 geschlossen, der Vertrag zwischen dem Betreiber und der Stadt ist ausgelaufen.

Das Unternehmen EHC stand bereits mehrfach heftig in der Kritik. Zuletzt berichtete das WDR-Magazin 'Westpol' über Vorwürfe, dass sich European Homecare nicht an die Qualitätsvorgaben für Flüchtlingsunterkünfte halte. In den EHC-Unterkünften arbeitet Mitarbeiter-Aussagen zufolge fast ausschließlich ungelerntes Personal.

Im September 2014 hatten Bilder aus einem Heim in Burbach (NRW) für Entsetzen gesorgt: Sicherheitskräfte hatten dort Flüchtlinge gedemütigt und misshandelt. Betreiber der Asylunterkunft: European Homecare. Der Skandal um die Übergriffe hatte zu Diskussionen um Qualitätsstandards in Flüchtlingsunterkünften und besseren Kontrollen geführt.