2018 M06 21 - 9:38 Uhr

Wer rechtzeitig plant, erspart seinen Angehörigen Probleme

Mit dem eigenen Nachlass beschäftigen sich die meisten nur ungern. Doch das Auseinandersetzen mit dem eigenen Tod und den Folgen ist gerade beim digitalen Erbe wichtig, wenn man seinen Angehörigen Probleme ersparen möchte. Vor dem Bundesgerichtshof wird gerade der Fall eines 15-jährigen Mädchens verhandelt, das in Berlin vor eine U- Bahn stürzte und starb. Mit ihren Chats auf Facebook wollen die Eltern herausfinden, ob es ein Unfall oder Suizid war. Aber Facebook verweigert den Zugriff. Ohne Kontoinformationen oder Zugangsdaten kann es für die Angehörigen schwer bis unmöglich werden, Zugriff auf Internetdienste zu bekommen. Doch wie sorgt man digital richtig vor?

Passwortmanager speichern sämtliche Zugangsdaten

Papierform: Laut Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) ist in Sachen digitales Erbe zunächst wichtig, alle Internet- oder Social-Media-Konten und -Zugänge zu erfassen und für Angehörige zu hinterlegen. Das geht ganz klassisch auf Papier – einfach alle Konten mit Benutzernamen und Passwörtern aufschreiben, die Liste in einem Umschlag an einem sicheren Ort verwahren und regelmäßig aktualisieren.

Passwortmanager: Es geht aber auch ein bisschen moderner. Passwortmanager sind Programme, die beliebig viele Zugangsdaten zentral und verschlüsselt speichern. Sie müssen sich nur noch ein Passwort merken, das sogenannte Masterpasswort. Kostenlose Passwortmanager wie "KeePass" etwa laufen auch ohne Installation, so dass Sie ihn auf einem USB-Stick nutzen oder eine Kopie auf einem Stick hinterlegen können. In diesem Fall müssen dann Stick und Masterpasswort hinterlegt werden. Auch hier sind regelmäßige Aktualisierungen wichtig.

Haben Sie schon eine Vertrauensperson für Ihren digitalen Nachlass bestimmt?

Vertrauensperson: Beim digitalen Nachlass stellt sich die Frage, wer dann für die Liste oder den USB-Stick und das Masterpasswort zuständig sein soll. Unabdingbar in diesem Zusammenhang ist, schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson zu benennen, die sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmert. Ein Musterformular für eine entsprechende Vollmacht gibt es auf der Webseite des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Ganz wichtig: Sie muss handschriftlich verfasst, mit Datum versehen, unterschrieben und mit dem Hinweis versehen sein, dass sie "über den Tod hinaus" gilt.

Anweisungen festhalten: Ob die Vertrauensperson mit den Daten machen kann, was sie will, hängt davon ab, was man zu Lebzeiten festgelegt hat. Die Verbraucherschützer raten, etwa gleich in der Liste mit den gesammelten Accounts zu vermerken, was die Vertrauensperson genau mit den diversen Konten, Daten oder auch Fotos im Netz nach dem Ableben tun soll: sie etwa löschen oder auch Profile in den Gedenkzustand versetzen, wie es zum Beispiel bei Facebook möglich ist. Wer sich für einen Passwortmanager entschieden hat, gibt solche Anweisungen am besten direkt in der Vollmacht.

Daten auf Geräten: Teil der Vollmacht oder der Liste sollte ebenfalls sein, was mit Daten auf den eigenen Geräten geschieht. Sie legen also am besten fest, was mit Rechner, Smartphone, Tablet & Co. sowie den darauf gespeicherten Dingen passieren soll.

Dienstleister: Inzwischen gibt es zwar auch Dienstleister, die digitale Nachlässe kommerziell verwalten. Von solchen Unternehmen raten die Verbraucherschützer aber eher ab. Ihre Sicherheit und damit die Vertrauenswürdigkeit lasse sich nur schwer beurteilen.

Quelle: DPA, RTL.de