Das Buch, das seine Geschichte selber erzählt

Prof. Dr. Hübler präsentiert das T-Book.

30. April 2015 - 10:15 Uhr

Von Johanna Meier

Stellen Sie sich vor, nicht Sie lesen Ihrem Kind eine Geschichte aus einem Buch vor, sondern das Buch selbst! Und dazu spielt es auf jeder Seite die passenden Tier- und Umgebungsgeräusche ab. Diese Vorstellung könnte bald Realität werden. Denn die Technische Universität Chemnitz hat ein Buch entwickelt, das genau das kann.

"Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Es gibt nichts Größeres, als wenn ein Bild zu einem spricht und die Geschichte dahinter erzählt", schwärmt Cosimo Möller über das T-Book. Er ist Geschäftsführer einer Kreativagentur und einer der T-Book-Projektleiter. In zweieinhalb Jahren entwickelte er zusammen mit der TU Chemnitz den Bildband des diesjährigen 'World Press Photo'-Wettbewerbs. Auf den ersten Blick sieht dieser wie ein ganz normales Fotobuch aus. Der große Unterschied: Das Buch erzählt die Geschichten hinter den Bildern selber und liefert die passenden Geräusche gleich mit. Das erklärt auch den Namen. Das T in T-Book steht für Ton und funktioniert mit unsichtbaren Lautsprechern im Inneren jeder Seite.

Diese "basieren auf einem organischen Piezomaterial, welches durch elektrische Spannungen in Schwingungen versetzt wird und das als dünne Schicht gedruckt wird", erklärt Prof. Dr. Arved C. Hübler von der TU Chemnitz. Um diese Spannungen zu erzeugen, müssen weitere leitfähige Elektroden gedruckt werden. Wird ein Audiosignal hinzugefügt, beginnt das Blatt Papier zu schwingen und damit Töne abzustrahlen.

Tablets der Zukunft bald auf Papier?

Das T-Book verbindet somit "die Kraft der Bilder mit einer neuen Dimension der Wahrnehmung", beschreibt Hübler das neue Hörgefühl. Die Entwicklung der gedruckten Technologie verfolgt die TU Chemnitz schon seit 15 Jahren. Langfristiges Ziel sei es "am Ende vieles, was wir heute als starre elektronische Geräte kennen, in Zukunft einfach auf Papier zu haben".

Den Mehrwehrt für den Leser sieht Projektleiter Möller dabei in der Übertragung von Emotionen: "Diesen Bildern eine Stimme zu verleihen ist großartig. Man hat originale Sounds, man hat Zeitzeugen, die zu einem sprechen, Gefühle werden geweckt. Das ist wahre Kunst."

Wann und ob die Bücher für die breite Masse zu haben sind, ist nicht klar. Noch sind die Produktionskosten zu hoch, der Technologiestatus ermöglicht lediglich hochpreisige Kleinserien. Möller glaubt jedoch, dass das Projekt in Zukunft eine große Relevanz für Kinderbücher und Bilderbücher haben könnte. Eben überall da, "wo man Dinge kommunizieren lässt, ohne dass es dort geschrieben steht".