Das bedeutet die 'Ehe für alle' in der Praxis

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen bald heiraten.
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05. Juli 2017 - 11:38 Uhr

"Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen"

Gleichgeschlechtlichen Paaren blieb eine Eheschließung in Deutschland bislang verwehrt. Doch ab jetzt gilt auch für sie der Paragraf 1353 des bürgerlichen Gesetzbuchs. "Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen", heißt es dort. Doch was genau bringt das neue Gesetz im alltäglichen Leben?

Keine Ehe für alle ist "Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität"

Eheringe mit Rose , im Hintergrund zwei Frauen . Radevormwald , 12.06.2006 , Radevormwald Deutschland PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xU.xGrabowskyxWedding rings with Rose in Background Two Women Radevormwald 12 06 2006 Radevormwald German
Beide Partner müssen "gegenseitig persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit" einem Standesbeamten erklären, dass sie eine Ehe auf Lebenszeit führen wollen.
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Seit 2001 war es Homosexuellen in Deutschland nur erlaubt eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu führen. Es war eine abgespeckte Form der amtlich besiegelten Ehe. Nachteile im Erb- und Steuerrecht wurden über die Jahre hinweg beseitigt. Oft allerdings erst auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichts. Die größte Benachteiligung war allerdings, dass es den Lebenspartnern verwehrt blieb Kinder adoptieren zu dürfen. Das neue Gesetz öffnet nun mit der Ehe für alle gleiche Rechten und Pflichten für hetero- und homosexuelle Eheleute.

Es sei "eine konkrete und symbolische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität", dass die Ehe für homosexuellen Paaren verwehrt blieb, stand im Gesetzentwurf des Bundesrates, der schon längere Zeit vorlag. Ein erster Gesetzesentwurf zu dem Thema lag bereits seit Oktober 2013 vor. "Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der damit verbundenen Änderung des Eheverständnisses" gebe es keine haltbaren Gründe mehr für ein Festhalten am Status quo.

Lebenspartnerschaften werden nicht automatisch zur Ehe

Aus Lebenspartnern werden mit dem neuen Gesetz allerdings nicht automatisch Eheleute. Eine Umwandlung erfolgt nur auf Wunsch des Paares. Dazu müssen beide Partner müssen "gegenseitig persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit" einem Standesbeamten erklären, dass sie eine Ehe auf Lebenszeit führen wollen. Die Lebenspartnerschaften werden in Zukunft mit dem neuen Gesetz nicht mehr eingetragen werden können. "Lebenspartnerschaften können ab Inkrafttreten dieses Gesetzes nicht mehr begründet werden", heißt es in Artikel 3 des Gesetzes.

Frühestens ab Herbst können auch gleichgeschlechtliche Paare dann die Ehe schließen. Das Gesetz tritt erst drei Monate nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft.