2018 M10 17 - 15:42 Uhr

Ein Kommentar von Johan Gallwitz

Nein, eigentlich kann man Joachim Löw nach der Niederlage gegen Frankreich keine Vorwürfe machen. Taktisch und personell hat der Bundestrainer einsichtig auf die Kritik reagiert, die Mannschaft zeigt ein ordentliches Spiel. Aber: Das reicht nicht.

Sinneswandel nur Beruhigungspille?

Denn es stellt sich die Frage: Ist Jogi wirklich bereit, den Weg des Umbruchs zu gehen? Ist er persönlich davon überzeugt, den jungen Wilden eine Chance zu geben? Oder waren die Umstellungen gegen Frankreich nur eine Beruhigungspille für die aufgebrachten Fans und Medien…

Jungen Spielern fehlt unter Löw das Selbstbewusstsein

Es kommt schnell das Gefühl auf, dass Löw nicht wirklich hinter dem Umbruch steht, der vor der EM 2020 unbedingt kommen muss. Bei den jungen Stars um Leroy Sane, Julian Draxler und Julian Brandt lässt einen das Gefühl nicht los, dass sie nicht das volle Vertrauen des Trainers genießen – was sich übrigens auch in ihrer Spielweise ausdrückt: Vor allem Sane und Draxler scheint in der Nationalmannschaft das sonst so enorme Selbstbewusstsein oft zu verlassen.

"Verloren, aber ordentlich gespielt" reicht bei der EM nicht mehr

Selbst wenn Löw sich also bemüht: Es ist für ihn verdammt schwer, die selbst aufgebaute Weltmeister-Truppe und das dazugehörige System über den Haufen zu werfen - das können andere definitiv schneller und erfolgreicher. Und ein schneller und erfolgreicher Umbruch ist genau das, was Deutschland braucht: In zwei Jahren bei der EM reicht es nämlich nicht mehr, wenn es nach den Spielen heißt: Verloren, aber ordentlich gespielt.

Umbruch? Zurück zum Erfolg? Kriegt Löw hin! Und genau darum sollte er Bundestrainer bleiben!