Darum kauft Facebook die Fitness-App Moves

10. August 2015 - 8:03 Uhr

Datenschützer klärt auf: "Die wollen den Kundenstamm von Moves"

Er baut sein Imperium weiter aus: Nach der Foto-App Instagram und dem Messenger-Dienst WhatsApp steigt Mark Zuckerberg in den Wachstums-Markt der Gesundheits- und Fitness-Apps ein. Mit dem Kauf der App Moves fordert Facebook jetzt Platzhirsche wie Nike und Fitbit heraus.

Facebook, Moves, Fitness-Apps
Datenschützer Thilo Weichert ist kein Fan sogenannter Quantified-Self-Angebote.
© picture alliance / dpa, Carsten Rehder

Wie viel Facebook der finnischen Entwicklerfirma ProtoGeo für Moves zahlt, ist nicht bekannt. Der Preis wird auch eher Nebensache sein, schließlich investiert das US-Unternehmen in die Zukunft. "Diese Quantified-Self-Angebote nehmen massiv zu", sagt Thilo Weichert, Landesdatenschutzbeauftragter für Schleswig-Holstein, im Gespräch mit 'RTLaktuell.de'. Das Messen von Körperwerten in Kombination mit zurückgelegter Strecke und verbrannten Kalorien erfreut sich bei den 'Fitness-Jüngern 2.0' immer größerer Beliebtheit. "Eben das Klientel, das auch bei Facebook unterwegs ist", so Weichert.

Der Datenschützer sieht den jüngsten Zukauf sehr kritisch. Zwar versicherten Facebook und das finnische Unternehmen ProtoGeo unisono, die Moves-App "separat" weiter zu betreiben und keine Nutzer-Daten zusammenzuführen. Doch laut Weichert sei das nur eine "kurzfristige Information", früher oder später werde zwangsläufig ein Datenaustausch stattfinden. "Die wollen den Kundenstamm von Moves, das liegt in ihrem ökonomischen Interesse."

"Mit unseren Vorstellungen von Gesundheitsdatenschutz nicht vereinbar"

Bleibt die Frage, was diese Daten so wertvoll macht und wer überhaupt Interesse an ihnen haben könnte. Wellness-Angebote, Krankenkassen, Arbeitgeber, Lebensversicherungen, Pharmaunternehmen - die Liste potenzieller Abnehmer ist nach Angaben von Weichert lang. "Die Nutzung und Auswertung solcher medizinischer Gesundheitsdaten ist mit unseren Vorstellungen von Gesundheitsdatenschutz nicht vereinbar", sagt Weichert. Um solchen Missbrauch zu verhindern, sieht der Datenschützer auch den Verbraucher in der Informationspflicht. Viele seien schlicht schlecht informiert, was mit ihren Daten passiert.

Besonders Online-Anwendungen, die Leistungs- und Gesundheitsdaten ermitteln, sind dem Datenschützer ein Dorn im Auge. "In Sachen Datenschutz überzeugt da keiner der Anbieter", sagt Weichert und empfiehlt den Griff zu sinnvollen Offline-Angeboten, die eine Analyse des Workouts genauso ermöglichen. Und: Mit einer herkömmlichen Pulsuhr und einem altmodischen Schrittzähler läuft man genau so weit und auch nicht langsamer.