Darum ist der HSV so schlecht

HSV-Trainer Thorsten Fink weiß gar nicht, wo er mit der Arbeit anfangen soll
© dpa, Uli Deck

04. Juli 2013 - 12:46 Uhr

Das Pokal-Debakel in Karlsruhe war für den Hamburger SV sechs Tage vor dem Liga-Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg nur die Fortsetzung einer insgesamt lausigen Vorbereitung. Es war ja nicht so, dass der HSV den Gegner beherrscht und durch unglückliche Tore verloren hat - nein, der Bundesligist hat sich über 90 Minuten zwar redlich bemüht, aber gegen einen Drittligisten, der aus 5 Liga-Spielen gerade einmal 3 Punkte geholt hat, vor allem in der 2. Halbzeit nicht mithalten können.

Gründe dafür sind in allen Mannschaftsteilen zu finden. Rene Adler hat (noch) nicht gezeigt, dass er eine Verstärkung ist. Im Wildpark irrte er oft durch den Strafraum und bereitete den dritten Gegentreffer durch eine Faustabwehr genau vor die Füße von Martin Stoll vor.

Nicht besser - oder sollte man sagen noch schlechter - war die Abwehr. Den Plan, den 21-jährigen Zhi Gin Lam als rechten Außenverteidiger einzusetzen, kann man als gescheitert betrachten. Jeffrey Bruma und Michael Mancienne sind schlicht und ergreifend nicht bundesligatauglich und Dennis Aogo glänzt eher durch große Sprüche denn mit Leistung auf dem Platz. Vielleicht schafft es ja der neuverpflichtete Paul Scharner, etwas Ordnung in die Chaos-Abwehr reinzubringen. Doch der Österreicher fällt nach einem Innenbandanriss im Knie erst einmal sechs Wochen aus.

Elend, wohin man schaut

Im Mittelfeld herrscht ebenfalls das blanke Grauen. Nur jemand, der von Fußball gar keine Ahnung hat, stellt einen Heiko Westermann in die Schaltzentrale. Der gelernte Abwehrspieler mit einer gefühlten Fehlpassquote von 80 Prozent ist dort genauso fehl am Platz wie ein Per Ciljan Skjelbred oder ein Robert Tesche.

Von einem Sturm zu reden wäre angesichts der Besetzung eine dicke Übertreibung. Nach dem Weggang von Mladen Petric - der bei seinem Liga-Debüt für Fulham gleich zweimal traf - und Paolo Guerrero müssen es Marcus Berg und Artjoms Rudnevs richten. Doch der Schwede wird - daran ändert auch sein Treffer in Karlsruhe nichts - der teuerste Fehleinkauf des HSV aller Zeiten bleiben. Zu unbeweglich, technisch begrenzt und dazu noch ohne Unterstützung aus dem Mittelfeld - es müsste schon ein Wunder geschehen, dass der 26-Jährige noch einschlägt. Auf ähnlichem Niveau bewegt sich Rudnevs. Der von einigen Fans schon als 'Letten-Bomber' gefeierte 24-Jährige glänzte bislang eher dadurch, dicke Chancen zu versieben.

Natürlich steht auch die sportliche Führung in der Kritik. Die von Sportdirektor Frank Arnesen in der Vorsaison geholten neuen Spieler haben allesamt enttäuscht. Nur Gökhan Töre wusste in Ansätzen zu überzeugen - aber der ist längst wieder weg. Und Trainer Thorsten Fink hat es in knapp einem Jahr nicht geschafft, der Mannschaft so etwas wie ein Spielsystem auf den Leib zu schneidern.

Was tun? Am 31. August schließt die Transferbörse, doch mehr als Milan Badelj, der von Dinamo Zagreb kommt und das Mittelfeld stabilisieren soll, ist nicht drin. Arnesen und Fink sondieren zwar den Markt, doch die Kassen sind leer. Nach Jahren der finanziellen Drahtseilakte unter Bernd Hoffmann wollte der HSV eigentlich einen Konsolidierungskurs fahren und sparen. Vielleicht denken die Verantwortlichen kurz vor der Jubliäumssaison noch einmal um, denn wie sagte HSV-Idol Uwe Seeler einmal so treffend: "Nichts ist so teuer wie ein Abstieg."