Ich habe ja schließlich Pfand bezahlt!

Darf ich meine Glühweintasse vom Weihnachtsmarkt mitnehmen?

Darf ich meine Glühweintasse als Souvenir mit nach Hause nehmen?
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11. Dezember 2019 - 6:28 Uhr

Ist es erlaubt, die Tassen zu behalten?

Die Weihnachtsmärkte haben ihre Pforten geöffnet. Und die Vorfreude auf eine Tasse Heißes, entweder ganz klassisch Glühwein oder auch ganz trendy ein Glüh-Gin oder Glüh-Bier, zieht jedes Jahr tausende Besucher vor die vollen Glühweinbuden. Nicht nur bei Sammlern sind Weihnachtstassen ein beliebtes Souvenir.

Aber ist es eigentlich erlaubt, die Tassen zu behalten? Finanztest erklärt, ob Sie sich strafbar machen, wenn Sie das nächste Mal eine Elchtasse in ihrer Jackentasche verschwinden lassen.

Glühweinbecher-Pfand ist kein Kaufpreis

Kalte Füße, der Geruch nach gebrannten Mandeln und in den Händen eine heiße Tasse Glühwein - das ist Weihnachtsmarktstimmung pur. Bedruckt mit Elchen, Nikoläusen oder auch lokalen Schriftzügen sind die meist rustikalen Becher das perfekte Souvenir und sind schnell in der Jackentasche verschwunden. Das lästige Anstehen beim Zurückgeben spart man sich obendrein. Und das Ganze ist doch nur fair, schließlich haben wir ja auch Pfand bezahlt, je nach Weihnachtsmarkt zwischen zwei und drei Euro. Viel mehr wert ist die Tasse schließlich auch nicht. Also alles ok?

Jein. Denn legal ist das Mitnehmen eigentlich nicht. Beim Glühweinkauf wechselt zwar der Tasseninhalt den Besitzer, nicht aber die Tasse selbst. So bleibt das weihnachtliche Gefäß weiterhin Eigentum des Standbesitzers, erklärt Finanztest. Denn Pfand heißt: Ich gebe es dem Händler wieder zurück. Wer das nicht tut, begeht rechtlich gesehen einen Diebstahl.

Einfach um Erlaubnis fragen

Doch keine Panik, letzten Endes gilt die alte Regel: wo kein Kläger, da kein Richter. Sprich: solange der Weihnachtsbudenbesitzer der Sache nicht nachgeht, passiert gar nichts. Und die Standbesitzer sehen das Ganze nicht so eng. Denn bereits in der Produktion wird eingeplant, dass viele der Tassen mitgenommen werden oder auch kaputt gehen. "Rund 80 Prozent der Tassen kommen nicht wieder am Stand an", schätzt Nina Kampe vom Santa Pauli Weihnachtsmarkt in Hamburg.

Somit entsteht dem Budenbesitzer kein finanzieller Schaden. Denn der Einkaufpreis für einen Becher entspricht ungefähr dem Pfandpreis, den man zahlt. Und abgesehen davon ist der der Glühweinbecher nicht nur ein ein schönes Andenken für Besucher, sondern ja auch ein Aushängeschild für den jeweiligen Weihnachtsmarkt - Werbung zum Mitnehmen quasi. Und somit eine weihnachtliche Win-Win-Situation. 

Wer jedoch rechtlich sauber und mit gutem Gewissen seine Glühweinbecher-Sammlung erweitern möchte: Einfach beim Standbetreiber nachfragen, ob man den Becher behalten kann. Na dann, Prost!

Weitere Rechtefragen von Finanztest rund um Weihnachten gibt es hier und im Finanztest-Heft 1/2020