Danny bloggt aus der syrischen Hölle

10. Februar 2016 - 13:18 Uhr

Blogger Danny: "Warum hilft uns die Welt nicht?"

Das Blutvergießen in Syrien hat die zweitgrößte Stadt des Landes erreicht. Bisher war es in Aleppo ruhig - nun gab es Tote und Verletzte vor dem Sitz der Ordnungspolizei und des Militärgeheimdienstes. Im Staatsfernsehen ist schnell von Terroristen aus den Reihen der Regimegegner die Rede. Assad-Gegner beschuldigen hingegen die Regierung.

Über die wahre Lage im Land sind nur schwer Informationen zu bekommen. Viele junge Blogger versuchen, der Welt über das Leid aus Syrien berichten. Danny Abdul Dayem ist einer von ihnen. Er ist 22 Jahre alt und Videoblogger. Seine Beiträge laufen bei CNN, der BBC und Al Dschasira. Durch ihn hat der Widerstand gegen Assad ein Gesicht bekommen. "Warum hilft uns die Welt nicht, wo ist ihre Menschlichkeit geblieben?", fragt er in einem seiner Beiträge verzweifelt.

Dannys Laben der vergangenen zwölf Monate ist eine Geschichte voller Gefahren, Mut und Verzweiflung. Als der Aufstand gegen Assad beginnt, filmt er, wie Demonstranten niedergeschossen werden und stellt es ins Internet. Er selbst wird von einer Kugel getroffen. Im September 2011 gelingt ihm die Flucht nach London, zu seiner Mutter, die Britin ist.

In London hält es Danny nicht lange aus. Er will nicht tatenlos rumsitzen, während in Syrien seine Freunde sterben. Als er wieder gesund ist, macht er sich erneut auf nach Homs, um der Welt ein Stück von dem Leid zu zeigen, das die Menschen in Syrien tagtäglich erleben.

Kämpfe weiten sich auf Aleppo aus

Die syrische Armee hat ihre Angriffe auf die Rebellenhochburg Homs unterdessen noch einmal verstärkt. Während der Dauerbeschuss dort mittlerweile den siebten Tag in Folge anhält, explodierten in der Stadt Aleppo zwei Sprengsätze. Damit haben die Kämpfe jetzt auch die zweitgrößte Stadt Syriens erreicht, das Wirtschaftszentrum des Landes.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Terroranschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten. Es habe mehrere "Märtyrer" gegeben. Laut syrischem Angaben kamen 25 Menschen ums Leben. 175 weitere wurden verletzt, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium des Landes berichtete. Unter den Toten seien Soldaten und Zivilisten.

Assad-Gegner erklärten unter Berufung auf Anwohner, die vor den Detonationen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet haben wollen: "Die ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes." Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben, um den Eindruck zu erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den Terroristen stattgefunden.

Die Lage in der Widerstandshochburg Homs wird immer dramatischer: Aktivisten haben um Hilfe vom Roten Kreuz und vom Roten Halbmond gebeten. Die Stadt ist umzingelt; Armeeposten kontrollieren alle Zugangsstraßen. Seit zehn Tagen konnten keine Lebensmittel mehr in die Stadt geliefert werden. Essen und Medikamente werden knapp. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gehen auch die Heizölvorräte zur Neige. In ganz Homs gibt es nach Angaben von Aktivisten nur noch drei Ärzte, einer wurde durch Granatenbeschuss verletzt.

Vertreter der syrischen Opposition haben unterdessen an die internationale Gemeinschaft appelliert, gegen das Blutvergießen in Syrien einzuschreiten und härtere Sanktionen zu verhängen. Die Staatengemeinschaft müsse gemeinsam intervenieren, um den Schutz der syrischen Bevölkerung zu gewährleisten, sagte Ferhad Ahma vom Syrischen Nationalrat (SNC) in Berlin. Humanitäre Maßnahmen seien dringend nötig.

Seit vergangenem Samstag seien in Syrien mindestens 750 Zivilisten durch Vertreter des Regimes getötet worden. Die Sicherheitskräfte gingen mit Panzern, Mörsern und Artillerie gegen die Zivilbevölkerung vor. Hozan Ibrahim vom SNC-Generalsekretariat stellte klar, dass der SNC keine militärische Intervention fordere. Zuerst müssten härtere politische und wirtschaftliche Sanktionen verhängt werden, eine militärische Intervention dürfe nur das letzte Mittel sein.