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Dank Mourinho: Kapverden rocken den Afrika-Cup

Dank Mourinho: Kapverden rocken den Afrika-Cup

Lucio Antunes
Trainer Lucio Antunes war nach dem 2:1-Sieg der Kapverden gegen Angola nicht mehr zu halten.
REUTERS, SIPHIWE SIBEKO

Fußball-Zwerg, kein Rasenplatz, aber im Viertelfinale des Afrika-Cups: Die Kapverden stehen Kopf! Als kleinstes Land, das jemals bei dem prestigeträchtigen Turnier auf dem Schwarzen Kontinent angetreten ist, haben sich die Insel-Kicker sensationell für das Viertelfinale qualifiziert – was den Trainer vor Stolz schier platzen lässt.

Die versammelten Journalisten staunten nicht schlecht, als Lucio Antunes nach dem 2:1-Erfolg am Sonntag gegen Angola plötzlich zu Singen begann. Mitten im Satz unterbrach sich der Trainer der Kapverden, um einige Zeilen aus der 'Biography of a Crioulo' zum Besten zu geben. "Das ist ein traditionelles Lied, ich widme es den Leuten zu Hause", sagte Antunes, woraufhin die Presseschar im Nelson-Mandela-Bay-Stadion artig Beifall klatschte.

Während sich die Fußball-Experten verwundert die Augen reiben, stehen die Einwohner der Kapverden regelrecht Kopf. "Jeder im Lande spricht über Fußball - vom Minister bis zum Landwirt", berichtet Antunes, dessen Mannschaft schon jetzt Historisches geleistet hat: Erst qualifizierte sich der Fußball-Zwerg das erste Mal in der Geschichte für den Afrika-Cup, jetzt schaffte die No-Name-Truppe dank eines 0:0 gegen Gastgeber Südafrika, einem 1:1 gegen Marokko und dem 2:1-Sieg gegen Angola den Sprung in die K.o.-Runde.

Dabei sind die Bedingungen auf den Kapverden denkbar schlecht, um eine große Fußball-Nation zu werden: Gerade einmal 500.000 Einwohner leben auf den 15 Inseln im Atlantik, von denen neun bewohnt sind. Die Temperaturen in der Hauptstadt Praia pendeln im Jahr zwischen 23 und 30 Grad. Es gibt keinen Rasenplatz, das größte Stadion, Estadio de Varzea, fast 8.000 Zuschauer. Dort fand auch das Relegations-Hinspiel gegen Kamerun statt, das die Kapverden 2:0 gewannen. Im zweiten Duell reichte den 'Blauen Haien' eine 1:2-Niederlage gegen die Mannschaft um Weltstar Samuel Eto'o zur Sensation – doch die Reise nach Südafrika wäre trotzdem fast ins Wasser gefallen.

Antunes zum Crashkurs bei Mourinho

Weil das Land keine Bodenschätze hat und Landwirtschaft auf den regenarmen Inseln kaum möglich ist, sind die Staatskassen alles andere als prall gefüllt – der Export von Fischen und Bananen spült eben nicht das meiste Geld rein. Um die Reise nach Südafrika überhaupt finanzieren zu können, wurde vor dem Turnier eine Stiftung mit dem Namen 'Operation Afrika-Cup' gegründet, in die alle Bürger einzahlen sollten. Hinzu kamen Einnahmen aus einem Benefiz-Konzert und zehn Prozent aus dem Verkauf einer Sonder-Briefmarke.

Das Geld reichte, die Kapverden flogen in den Süden und sind seitdem in aller Munde – sogar bei einem gewissen Jose Mourinho. Der Star-Trainer von Real Madrid ist ein persönlicher Freund des kapverdischen Staatspräsidenten Jose Carlos Fonseca und verfolgt die fußballerische Entwicklung der Kapverden, früher eine portugiesische Kolonie, ganz genau. Das geht sogar so weit, dass Mourinho seinem Kollegen Antunes im Dezember ein Kurzpraktikum anbot, um den Nationaltrainer noch ein paar taktische Kniffe mit auf den Weg zu geben.

"Es war eine Art Crashkurs. Ich habe phantastische Erfahrungen gesammelt", berichtete Antunes der Sportzeitung 'A Bola' und schwärmte von Mourinho: "Er hilft gerne Leuten, die weniger Ahnung haben - wie mir zum Beispiel." Das Hauptproblem ist aber wohl nicht die Ahnungslosigkeit, sondern das Spielermaterial: Bis auf Ryan Mendes vom OSC Lille kicken die meisten Spieler in der ersten oder zweiten portugiesischen Liga, wo sie bisher nicht auf sich aufmerksam gemacht haben.

Ihr Trainer hat es dennoch geschafft, eine Mannschaft zu formen, die aus einer soliden Abwehr einen guten und vor allem schnellen Ball nach vorne spielt. "Wir haben allen gezeigt, dass wir eine großartige Mannschaft haben", hatte Antunes schon nach dem Remis gegen Marokko gesagt: "Meine Spieler können bei Chelsea, Manchester United, Milan, Real Madrid und Barcelona spielen. Ja, das können sie."

Bevor es so weit ist, muss aber erst einmal das Viertelfinale des Afrika-Cups gespielt werden, da geht es am Samstag gegen Ghana.