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DAK untersucht Computerspielsucht der Deutschen: Vor allem Jungs und junge Männer betroffen

DAK untersucht Computerspielsucht der Deutschen: Vor allem Jungs und junge Männer betroffen

Erschreckende Zahlen: Studie zur Computerspielsucht Jeder 12. Junge zwischen 12 und 25 Jahren ist betroffen
02:16 min
Jeder 12. Junge zwischen 12 und 25 Jahren ist betroffen
Erschreckende Zahlen: Studie zur Computerspielsucht

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'Game Over': Erste repräsentative Computerspielsucht-Studie für Deutschland

Eltern dürfte das bekannt vorkommen: Das Essen steht auf dem Tisch, aber der Nachwuchs ist einfach nicht von der Konsole wegzubekommen. Die erste repräsentative DAK-Studie zu Computerspielsucht in Deutschland geht der Frage auf den Grund, wer von Computerspielsucht betroffen ist. Das Ergebnis ist eindeutig wie alarmierend!

Jungen im Teenie-Alter sind besonders anfällig für Computerspielsucht, so das Ergebnis der neu vorgestellten DAK-Studie. Demnach sind 8,4 Prozent der Jungen und jungen Männer zwischen 12 und 25 Jahren von einer Computerspielsucht betroffen. Ihr Durchschnittsalter: gerade einmal 15,5 Jahren. Mädchen und junge Frauen neigen hingegen seltener zur Computerspielsucht, bei ihnen zeigen knapp sechs Prozent relevante Anzeichen.

Der Report 'Game Over' ist die erste Untersuchung mit einer repräsentativen Stichprobe zur Häufigkeit von Computerspielsucht in Deutschland. Das Forsa-Institut befragte dafür 1.531 Mädchen und Jungen, junge Frauen und Männer, eingeordnet wurden die Ergebnisse vom Suchtexperten Rainer Thomasius, dem Ärztlichen Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters.

Wer auf mindestens fünf von neun Standardfragen mit 'Ja' antwortete, wurde als computerspielsüchtig gewertet. Umfrageteilnehmer mussten zum Beispiel beantworten, ob sie spielten, um Unangenehmes zu verdrängen und ob sie ohne Spielmöglichkeit unglücklich waren. Oder ob sie wegen des Spielens mit anderen in Streit geraten sind und Hobbys, Freunde und Familie vernachlässigt haben. Dabei war egal, ob die Befragten am PC, Tablet, Konsole oder Smartphone spielten.

Maßloses Computerspielen ist hierzulande nicht als eigenständige Krankheit anerkannt. Unter Fachleuten ist umstritten, ob es nicht eher Folge anderer psychischer Krankheiten ist. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler sprach sich bei der Studienvorstellung für die Anerkennung als eigenständiges Krankheitsbild aus. Dies müssten Gremien der Wissenschaft entscheiden. Die Umfrage-Ergebnisse bewertete Mortler als "beunruhigend". Das Diagnose-Handbuch 'DSM-5' der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung führt seit drei Jahren Kriterien zur Diagnose einer Computerspielsucht auf - diese waren maßgeblich für die Fragestellungen im Report.

Die Sucht erkennen

Computerspielsucht
An der Online-Befragung nahmen 1.531 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren teil.
iStockphoto

Zwar gibt es keine allgemeingültige Definition, um zwischen begeistertem und süchtigem Spielverhalten zu unterscheiden, aber dennoch können einige Punkte zumindest auf eine Suchtgefährdung hinweisen.

Bedroht sind vor allem Kinder und Jugendliche, die außerhalb der elterlichen Kontrolle uneingeschränkten Zugang zu Computerspielen haben oder ihre wahren Spielzeiten geheimhalten. Oft flüchten die Kinder in die virtuellen Welten, um Problemen in der Schule oder mit den Eltern zu entkommen. Auch die positive Auswirkung auf die Stimmung ihres Kindes, sobald es Computerspiele spielt, kann ein Anzeichen für eine Suchtgefahr sein. Oftmals gewinnen die Spiele im Leben der Kinder einen sehr hohen Stellenwert, sodass sie häufig über das Spiel reden und nachdenken.

Viele Süchtige ziehen sich außerdem aus vorherigen Lebensbereichen wie ehemals geliebten Hobbies zurück, nur um sich ihrer Sucht hinzugeben. Eltern sollten hier versuchen, die Kinder auch wieder für andere Aktivitäten zu begeistern. Besonders problematisch kann es sein, wenn das potentielle Suchtproblem bereits in der Familie oder im Freundeskreis kommuniziert wurde und sich das Verhalten dadurch nicht verbessert oder sogar verschlechtert hat.

Wie bei anderen Süchten auch, leiden Abhängige oft unter Entzugssymptomen oder Rückfallneigung bei dem Versuch zu pausieren. Es weist also durchaus auch bei Computerspielen auf eine Sucht hin, wenn Ihr Kind gereizt wirkt, wenn es nicht spielen kann.

Falls Sie einige dieser Punkte beobachtet haben, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit ihrem Kind suchen. Hilfe bieten auch immer Suchtberatungsstellen. Denn die sind mittlerweile oftmals auch auf Mediensucht spezialisiert. Mögliche Anlaufstellen finden Sie hier .